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Mittelalters.  Von  Ulm  aus  verbreitete  sich  die  Barchentweberei
nach  Augsburg  und  von  dort  über  die  große  Handelsstraße  nach
Nürnberg,  Hof,  Zwickau,  Leipzig  und  Chemnitz.  Nürnberger  Kaufleute
  ließen  Baumwolle  an  Mädchen  in  Plauen  zum  Spinnen  und
Weben  von  Schleiern  ausgeben.  Das  war  der  Anfang  der  nachmals
  so  berühmten  Plauener  Schleierindustrie,  aus  der  die  heutige
Stickerei  und  Baumwollenweberei  des  Vogtlandes  hervorgegangen
ist.  Der  Dreißigjährige  Krieg  vernichtete  die  Baumwollenindustrie
und  den  Baumwollenhandel  in  Deutschland.

Jahrhundertelang  wurde  Europa  von  Ostindien  aus  mit  Baumwollenstoffen
  versorgt;  sie  waren  zum  Teil  so  zart,  daß  sie  in  der
Hand  kaum  gefühlt,  und  so  fein,  daß  sie  vom  Auge  kaum  gesehen
wurden.  Darum  haben  die  Morgenländer  manche  dieser  Zeuge,
namentlich  die  feinen  Musseline,  nicht  mit  Unrecht  als  „gewebten
Wind“  bezeichnet.  Mit  der  Ersindung  der  Spinnmaschinen  und
mechanischen  Webstühle  zu  Ende  des  18.  Jahrhunderts  trat  aber
ein  völliger  Umschwung  ein.  Europa,  namentlich  England,  stellt  seitdem
  so  viel  baumwollene  Garne  und  Stoffe  her,  daß  ein  Teil  davon
auch  nach  Ostindien  und  andern  asiatischen  Ländern  ausgeführt
wird.  Ihren  Hauptsitz  schlug  die  Baumwollenindustrie  in  Manchester
auf,  und  Liverpool,  das  dem  Fabrikorte  am  nächsten  lag,  wurde  der
bedeutendste  Platz  für  den  Baumwollenhandel.

Auch  in  Deutschland,  und  nicht  zuletzt  in  Rheinland  und  Westfalen,
  ist  die  Verarbeitung  der  Baumwolle  zu  hoher  Blüte  gelangt.
Unsere  Spinnereien  und  Webercien  sind  so  zahlreich,  daß  wir  nach
England  und  den  Vereinigten  Staaten  den  dritten  Platz  auf  dem
Weltmarkte  einnehmen.  Aber  in  der  Gewinnung  der  Rohstoffe  stehen
wir  noch  weit  zurück.  Da  kommt  zuerst  Nordamerika,  das  jährlich  an
die  2500  Millionen  Kilogramm  Baumwolle  liefert  oder  sieben  Zehntel
der  Gesamterzeugung.  Doch  sind  wir  eifrig  bemüht,  unsere  Kolonien
für  den  Anbau  der  Baumwolle  nutzbar  zu  machen.  In  Ostafrika
wurden  im  Jahre  1908  schon  über  100  Millionen  Kilogramm  vorzügliche
  Baumwolle  erzeugt.  Auch  die  meisten  andern  Kolonien,
namentlich  Togo,  werden  mithelfen,  daß  wir  im  Verbrauch  der
Baumwolle  immer  weniger  vom  Ausland  abhängig  werden.

162.  Der  Baumstamm  —  ein  Stammbaum.
Von  Emil  Kohmäßler.
G#  ich  an  einer  Schneidemühle  vorüber,  so  muß  ich  haltmachen.
Die  kräftigen  Säulen  des  Waldes  find  zum  Schlachten  hierhergeschleift
  worden.  Don  den  unteren  Koöschnittflächen  der  Stämme