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165.  Die  Entstehung  der  Steinkohlenlager.
Von  Franz  Tschauder.

WVor.  unsagbar  langer  Zeit,  als  noch  keines  Menschen  Fuß  auf
Erden  wandelte,  war  in  unserer  Heimat  das  Klima  so  warm
und  feucht  wie  heutigestags  in  Kamerun.  Das  jetzige  Kohlenbecken
  bildete  damals  ein  Tiefland  am  Meeresufer.  Dort
entstanden  große  Sümpfe;  in  und  an  ihnen  wuchsen  Bärlappe,
Farne  und  Schachtelhalme.  Manche  Arten  jener  Pflanzengeschlechter
  erreichten  die  Höhe  und  Stärke  unserer  Waldbäume,
wie  es  ja  in  der  heißen  Zone  zum  Teil  noch  heute  der  Fall
ist.  An  den  Baumriesen  rankten  sich  lange  Schlingpflanzen  empor,
  krochen  ins  Astwerk,  schwangen  sich  von  Baum  zu  Baum
und  umwoben  den  Hochwald  mit  einem  hangenden  Netz.  Die
absterbenden  Gewächse,  die  großen  wie  die  kleinen,  fielen  zu
Boden  und  versanken  in  dem  Sumpfe.  Weil  das  Wasser  den
freien  Luftzutritt  hinderte,  konnten  sie  nicht  verwesen.  Sie
wurden  zunächst  zu  Torf,  ganz  wie  die  Moose  und  Gräser  der
Moore  unserer  Zeit.  Darüber  aber  erneuerte  sich  jahrtausende--lang
  das  Sumpfdickicht  immer  wieder.  Die  Stengel  und  Blätter,
die  Stämme  und  Aste  der  abgestorbenen  Pflanzen  bildeten
nach  und  nach  eine  dicke  Moderschicht.

Ganz  allmählich,  wiederum  im  Zeitraume  von  Jahrtausenden,
  senkte  sich  der  Boden  des  Waldmoores.  Da  brach  das
Meer  über  die  Niederung  herein,  überflutete  die  Kräuter  und
Sträucher,  und  Sturmfluten  knidtten  die  Baumriesen.  Das  Was-Ser
  seftte  seine  Sinkstoffe  ab,  die  als  Schlamm  das  ehemalige
Moor  bededktten.  Immer  stärker  wurde  die  Ablagerung  im
Laufe  der  Zeiten.  Wenn  dann  die  Bodensenkung  aufgehört
hatte  oder  das  Erdreich  gestiegen  war,  wurde  die  Schlammschicht
  nach  Jahrtausenden  wieder  zur  grünen  Landoberfläche.
Aber  das  zweite  Waldmoor,  das  sich  auf  ihr  entwickelte,  teilte
schließlich  das  Schidesel  des  ersten.  Wie  oft  auch  dieser  Vorgang
  sich  im  Laufe  von  Millionen  von  Jahren  wiederholte,  er
verlief  stets  in  gleicher  Weise.  So  entstand  auf  der  ursprünglichen
  Schle  eine  Folge  von  Moor-  und  Schlammschichten,  die
einem  Stoß  übereinandergelegter  Butterschnitten  vergleichbar
ist.  Die  Brotschnitten  entsprechen  den  Schlammschichten;  die
Butter  veranschaulicht  immer  eine  Moorschicht.  Je  länger  ein
Waldmoor  bestand,  um  so  dicker  war  die  von  ihm  gebildete
Torflage;  je  länger  es  überflutet  war,  um  so  mächtiger  wurde
die  Schlammablagerung.