—  232  —

halten.  Der  Rauch  enthält  immer  eine  Menge  Wasserdampf,  ist  somit
ein  Leiter,  und  es  ist  gewiß  nicht  zu  empfehlen,  bei  einem  ausstelgenden
  Gewitter  ein  starkes  Feuer  anzufachen.  Auch  Bäume  ziehen
den  Blitz  an,  doch  ist  er  sehr  häufig  genötigt,  aus  dem  unteren  Teil
eines  Baumstammes  nach  der  Seite  hin  auszutreten.  Sehr  unvorsichtig
  also  wäre  es,  wenn  jemand  bei  einem  Gewitter  unter  einem
Baume  Schutz  suchen  wollte.  Auf  freiem  Felde  wählt  der  Blitz
gern  den  nächsten  Leiter.  Daher  werden  so  viele  Tiere  auf  der
Weide  erschlagen.  Wer  sich  im  Freien  plötzlich  von  einem  hestigen
Gewitter  überfallen  sieht  und  in  seiner  Aähe  keinen  höheren  und
besseren  Leiter  findet,  als  er  selber  ist,  würde  also  am  sichersten  sein,
wenn  er  sich  niedersetzte,  oder  noch  besser,  wenn  er  sich  ins  Gras
legte.  Ein  hoher  Baum,  der  etwa  15  m  von  mir  entfernt  ist,  wird
den  Blitz  wahrscheinlich  von  mir  abziehen.  Fliehe  ich  ihn  aber  noch
mehr,  so  verliert  er  mit  der  wachsenden  Entfernung  seine  schützende
Krast.  Sowenig  es  also  zu  empfehlen  ist,  bei  einem  Gewitter
unter  einen  alleinstehenden  Baum  zu  flüchten,  ebensowenig  ist  es
anzuraten,  sich  allzu  weit  von  ihm  zu  entfernen.  Schon  östers
wurden  Landleute  erschlagen,  die  vor  einem  Gewitterregen  unter  dem
Dache  eines  Zeltes  oder  unter  Korngarben  Schutz  gesucht  hatten.
Es  ist  jedenfalls  besser,  einmal  bis  auf  die  Haut  durchnäßt  zu  werden,
als  dem  Blitz  gerade  in  den  Weg  zu  laufen.  Ein  aufgespannter
und  vom  Regen  durchnäßter  Schirm  ist  ein  gefährliches  Ding;  ich
würde  ihn  lieber  außer  Dienst  stellen  als  mein  Leben  durch  ihn  gefährden
  lassen.

169.  Über  Petroleumlampen  und  Feueranmachen.

Von  Otto  Gotthilf.
1.

(Babeleuchtumg  und  elektrisches  Licht  haben  durch  ihre  Lichtfülle

und  die  Einfachheit  der  Behandlung  die  Petroleumlampen  in
den  vornehmeren  Wohnungen  vielfach  verdrängt.  Aber  in  der  einfacheren
  Hauseinrichtung,  auf  dem  gemütlichen  bürgerlichen  Familientische
  spendet  die  Petroleumlampe  an  den  langen  Winterabenden
  noch  in  gewohnter  Weise  ihr  stets  ruhiges  Licht  zu  Spiel
und  Arbeit  im  trauten  Familienkreise.

Gerade  das  gleichmäßig  ruhige  Brennen  des  Petroleumlichts
ist  ein  großer  Vorzug  vor  dem  oft  flackernden  Gaslicht.  Auch  dem
Auge  ist  es  zuträglicher.