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aber  in  den  feuchten  Gründen  gab  es  saftige  Wiesen  und  fette
Weiden,  auf  denen  wir  fünf  bis  sechs  Milchkühe  und  auch  einige
Ziegen  hielten.

Als  Bursche  von  neun  und  zehn  Jahren  fuhr  ich  an  schulfreien
Tagen  nicht  selten  mit  dem  Milchwagen  zu  der  etwa  zwei  Wegestunden
  entfernten  Molkerei.  Diese  Fahrten  gehören  zu  den  angenehmsten
  Erinnerungen  meiner  Jugendzeit.  Bei  Tagesanbruch  war
in  Küche  und  Stall  schon  alles  lebendig.  Die  Kühe  wurden  gefüttert,
  gestriegelt  und  gebürstet.  Die  Melkmagd  kam  in  ihrer
weißen  Schürze,  spülte  die  blankgescheuerten  Eimer  nach  und  brachte
sie  nach  einiger  Zeit  mit  frischer  schäumender  Milch  bis  an  den
Rand  gefüllt  zurück.  Niemand  war  von  der  Notwendigkeit  peinlichster
  Sauberkeit  bei  Gewinnung  und  Verarbeitung  der  Milch
mehr  überzeugt  als  meine  Mutter.  Sie  hielt  streng  darauf,  daß
sich  die  Magd  vor  dem  Melken  die  Hände  wusch,  daß  jeden  Morgen
das  Euter  gewaschen  und  die  gewonnene  Milch  durch  ein  Tuch  geseiht
  wurde.  Sie  überwachte  das  Reinigen  und  Füllen  der  Kannen
und  konnte  recht  böse  werden,  wenn  Anton,  der  Hütejunge,  Pferdeknecht
  und  Milchkutscher  in  einer  Person  war,  es  nicht  so  genau
nehmen  wollte.  Endlich  war  alles  zur  Abfahrt  bereit;  ich  schwang
mich  neben  Anton  auf  den  Bock,  und  mit  Hott  und  Hü  ging's  in
den  taufrischen  Morgen  hinein.  War  das  eine  Freude,  wenn  unser
Rößlein  so  munter  vor  uns  hertrabte,  wenn  wir  noch  lauter  pfiffen
als  die  Vögel  dort  oben  in  den  Zweigen  und  auch  nicht  der  leiseste
Gedanke  an  die  Schulaufgaben  wach  wurde.  In  der  Molkerei
wurde  unsere  Milch  auf  ihren  Fettgehalt  geprüft  und  kam  dann  in
die  große  Milchschleuder,  die  den  Rahm  von  der  Magermilch  trennt.
Wir  beide  aber  verzehrten  unterdessen  das  Frühstück,  zu  dem  wir
ein  Glas  der  köstlichen  frischen  Milch  tranken,  die  uns  die  Mutter
eigens  zu  dem  Zweck  mitgegeben  hatte.

Im  Hause  meiner  Eltern  wurde  regelmäßig  und  viel  Milch  getrunken,
  und  groß  und  klein  befand  sich  wohl  dabei.  Ich  erinnere
mich  nicht,  daß,  solange  ich  zu  Hause  weilte,  eins  unserer  zahlreichen
  Familienmitglieder  ernstlich  erkrankte,  und  der  Arzt  war
darum  bei  uns  ein  seltener  Gast.  Es  herrschte  eben  damals  auf
dem  Lande  noch  nicht  der  leidige  Gebrauch,  aus  reiner  Gewinnsucht
die  Milch  bis  auf  den  letzten  Tropfen  zu  verkaufen  und  sie  den
Kindern  in  Anwendung  falscher  Sparsamkeit  vorzuenthalten.

Welche  Bedeutung  aber  dem  Genuß  guter  Milch  gerade  in
jungen  Jahren  zukommt,  sollte  uns  Kindern  bald  an  einem  Beispiel
  deutlich  zum  Bewußtsein  gebracht  werden.  Und  das  kam  so.
Meiner.  Mutter  Bruder,  der  in  Elberfeld  wohnte,  hatte  ein  Mädchen