—  246  —

Stelle  ein.  Wenn  in  einem  Munde  zucher-  oder  stärkemehlhaltige
Speisereste  zurüchbleiben,  dann  werden  sie  unter  dem  Einflusse  gewisser
Spaltpilze  bald  in  organische  Säuren  zerlegt.  Sind  die  Zähne  und
Speicheldrüsen  mangelhaft  entwichelt,  dann  können  die  fäurebildenden
Spaltpilze  ihre  gefährliche  Tätigheit  entfalten.  An  irgendeiner  verstechten
  Stelle  des  Gebisses,  besonders  in  den  Kaufurchen  und  Zwischenräumen
  der  zähne,  wird  der  Schmelz  enthalkt,  so  daß  ein  kleines
Loch  entsteht.  In  diesem  Coche  setzen  sich  die  Speisereste  mit  vorliebe
sest  und  bilden  darin  Säure.  Bald  ist  die  Schmelzkappe  durchfressen,
und  in  dem  weicheren  Sahnbeine  kann  die  Sahnharies  nach  allen
Seiten  hin  rascher  fortschreiten.  Oft  genug  ist  das  Eingangsloch  zum
Kranhheitsherde  noch  recht  klein;  in  der  Uiefe  aber  erweitert  es  sich
zu  einer  großen  höhle.  Sobald  der  Krankheitsherd  bis  in  die  Nähe
des  zahnmarks  vorgedrungen  ist,  beginnen  die  gefürchteten  zahnschmerzen.
  Eitererregende  Spaltpilze  dringen  in  das  Sahnmark  ein
und  bringen  es  zur  Entzündung.  Schließlich  stirbt  das  zarte  Gewebe
ab,  und  dann  hönnen  die  Sahnschmerzen  mitunter  für  einige  Zeit  aufhören.
  AKber  die  Ruhe  ist  selten  von  langer  Dauer;  denn  die  Enthalkung
  des  Sahnbeins  schreitet  weiter  fort,  bis  die  harte  Deche  über  der
Sahnmarkhöhle  endlich  zusammenbricht.  Faulende  Schleim=  und  Speisereste
  können  nun  unmittelbar  durch  die  geöffnete  Sahnmarbhöhle  hindurch
  in  den  Nieferknochen  hineindringen  und  dort  die  gefürchtete
Wurzelhautentzündung  hervorrufen.

Das  große  Heer  von  kranhheiterregenden  Spaltpilzen,  z.  B.  die
Erreger  der  Tuberkulose,  Lungenentzündung  und  Diphtherie  wandern
zum  größten  Teil  durch  die  Mundhöhle  in  den  Körper  ein.  In  der
erkrankten,  unsaubern  Mundschleimhaut  finden  diese  Schmarotzer  den
besten  Nährboden.  Sie  können  dort  lange  Seit  fortleben,  ohne
Nranhheitserscheinungen  auszulösen.  Diele  Leute  sind  zeitweilig  unempfänglich
  gegen  die  Giftwirhung  gewisser  Spaltpilze  und  erkranken  erst
dann,  wenn  infolge  elner  gelegentlichen  Erkältung  ihre  Widerstandsfähigkeit
  gegen  das  Spaltpilzgift  herabgemindert  wird.  Beim  Sprechen,
Riesen,  husten  oder  Räuspern  kann  jedoch  die  Krankheitsursache  auf
andere  Mitmenschen  übertragen  werden.  Eine  unsaubere  Mundhöhle
bildet  also  eine  ständige  Gefahr  für  unsere  eigene  Gesundheit  und  für
die  Gesundheit  unserer  Mitmenschen.

Zuch  der  beste  Magen  muß  schließlich  Schaden  leiden,  wenn
man  ihm  zumutet,  daß  er  andauernd  große  Mengen  von  Eiter  und
sonstigen  Zersetzungserzeugnissen  des  kranken  Sahnfleisches  verdauen
soll.  Diele  schwere  Magenleiden,  die  jahrelang  der  ärztlichen  Nunst
spotteten,  sind  schließlich  geheilt  worden,  nachdem  eine  sorgsame  Sahnund
  Mundpflege  Platz  gegriffen  hatte.