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179.  In  der  Badeanstalt.

Deei  Künste  muß  jeder  erlernen,  wenn  er  seinen  Körper  gesund  er-.
  halten  will;  er  muß  turnen,  Schlittschuh  laufen  und  schwimmen
önnen.

Heute  will  ich  euch  einmal  in  eine  Babeanstalt  führen,  um
euch  zu  zeigen,  wie  man  das  Baden  recht  macht.  Ich  war  als
Waisenknabe  in  den  Franckeschen  Stiftungen  zu  Halle  a.  S.  Im
Sommer  wurden  wir  regelmäßig  nach  den  Badeanstalten  der  Saale
geführt,  wo  für  kleine,  mittelgroße  und  erwachsene  Leute  besondere
Abteile  zu  finden  sind.  Mit  dem  nötigen  Badezeug  unter  dem
Arme,  so  wurden  wir  kleinen  Leute  mit  dem  langen  schwarzen
zweireihigen  Rock  und  der  hohen  schwarzen  Mütze  langsamen
Schrittes  nach  der  Saale  geführt,  damit  die  Lungen  nicht  zu  sehr
aufgeregt  würden.  Waren  wir  glücklich  angelangt,  so  mußten  wir
uns  sofort  entkleiden.  Jetzt  hieß  es:  „Abkühlen  und.  ruhig  werden!“
Um  zu  prüfen,  ob  die  Lunge  sich  wirklich  beruhigt  hatte,  legten  wir
gegenseitig  die  flache  Hand  auf  den  Rücken;  und  fühlten  wir  kein
Klopfen  mehr,  so  gab  der  aufsichtführende  Lehrer  das  Zeichen  zum
Baden.  Brust,  Rücken  und  Armwinkel  (unter  dem  Arme)  wurden
etwas  naß  gemacht,  und  dann  ging  es  flugs  mit  kühnem  Sprunge
ins  Wasser.  Wer  lange  zögerte,  mußte  sich  Memme  schelten  lassen.
Pflicht  eines  jeden  Zöglings  war  es,  sofort  unterzutauchen,  weil
man  bei  trockenem  Kopfe  leicht  Kopfweh  bekommt.

Hei,  wie  das  plätscherte  und  paddelte  im  kühlen  Naß!  Ja,  wenn
immer  20°  oder  22°  C  wären,  dann  mag's  schon  gehen;  zeigt  aber
das  Thermometer  nur  167  bis  180,  dann  ist  es  schon  empfindlicher.
Doch  das  tut  nichts.  FFrisch  hinein,  rühr  dich  fein,  dann  wird's  für
dich  bald  wärmer  sein!“  So  war  es  auch  bei  uns.  Wer  nicht
schwimmen  konnte,  der  tummelte  sich  haschend  im  Abteil  für  Nichtschwimmer
  umher;  einige  machten,  wohl  gar  Schwimmversuche.  Das
tat  auch  ich.  Ich  sah  nämlich,  wenn  der  Schwimmeister  die
Schwimmschüler  an  seiner  Angel  baumeln  ließ,  genau  zu  und  paßte
auf,  welche  Bewegungen  sie  ausführen  mußten.  Gar  zu  gern  hätte
auch  ich  bei  ihm  das  Schwimmen  gelernt,  doch  fehlte  mir  dazu
das  Lehrgeld.

Was  tat  ich?  Nun,  ich  hielt  mich,  da  ich  an  keiner  Angel
hangen  konnte,  an  zweien  der  Stäbe  fest,  die  das  Kinderabteil
vom  Schwimmraum  trennen,  und  legte  mich  wagerecht  auf  das
Wasser.  In  dieser  Stellung  ahmte  ich  die  Bewegungen  der  Schwimmschüler
  nach.  Dann  ging  es  an  die  Armbewegungen,  wobei  ich  mich
einfach  auf  den  Boden  stellte  und  den  Rumpf  vorwärts  beugte.