—  250  —

Schließlich  versuchte  ich  es  mit  Armen  und  Beinen  zugleich,  und
siehe  da  —  es  ging;  zuerst  zwei,  drei,  dann  mehr  Stöße.  Bald
hatte  ich  den  Mut,  am  Rande  des  Schwimmraumes  meine  Kunst
zu  erproben.  Es  gelang,  ich  konnte  wirklich  schwimmen.  Aber  noch
wagte  ich  mich  mit  meiner  selbsterlernten  Schwimmkunst  nicht  in
die  Mitte;  denn  da  war  es  so  tief,  daß  sich  wohl  vier  Männer  hätten
  übereinanderstellen  können,  ehe  die  Oberfläche  erreicht  wäre.
Wie  kam  es  nun,  daß  ich  ins  Tiefe  ging?

Eines  schönen  Tages  schleuderte  mich  ein  unvermuteter  Stoß
eines  Mitzöglings  von  der  sogenannten  Froschbrücke,  die  dicht
über  dem  Wasserspiegel  auf  Ketten  schwebte,  gerade  in  die  tiefste
Stelle  des  Schwimmraumes  hinein.  Was  sollte  ich  nun  machen?
Balken  hat  das  Wasser  nicht,  sonst  hätte  ich  mich  gewiß  daran  festgehalten.
  Erst  strampelte  ich  wie  ein  Hund,  der  ins  Wasser  geworfen
  ist,  dann  aber  fiel  mir  ein,  daß  ich  ia  schwimmen  könne;
ich  machte  die  Bewegungen  und  gewann  glücklich  das  User.  Von
nun  an  war  ich  fast  täglich  Gast  im  Abteil  für  Schwimmer,  mußte
jedoch  zuvor  bei  dem  Bademeister  Probe  schwimmen.

Mit  andern  Anfängern  schwamm  ich  nun  um  die  Wette  stromauf
  und  stromab.  Dann  wurden  Kunststückchen  gelernt,  wie  Wassertreten,
  der  Tote  Mann  und  Rückenschwimmen.  Besonders  übten
wir  die  Sprünge  ins  Wasser  vom  Sprungbrett,  von  der  Umzäunung,
  vom  halben  und  endlich  vom  ganzen  Turme.  Ach,  das  war
eine  Lust,  so  lange  erst  durch  die  Lust  und  dann  ins  Wasser  zu
sausen,  um  an  einer  andern  Stelle  wohl  gar  mit  einer  Hand  voll
Kies  aufzutauchen!  Da  heißt  es:  „Mund  zu,  Atem  anhalten!“

Ein  Ereignis,  das  leicht  übel  ablaufen  konnte,  will  ich  euch
noch  erzählen.  Es  möge  euch  vor  törichten  übermütigen  Streichen
warnen.

Es  war  an  einem  heißen  Nachmittage,  an  dem  die  Badeanstalt
  sehr  besucht  war.  Auch  ich  war  unter  den  Badelustigen  und
übte  mich  in  dem  kürzlich  erlernten  Kopfsprunge  von  der  Froschbrücke
  aus.  Das  ging  so  gut,  daß  mich  der  Übermut  verleitete,
meine  Kunst  auf  eine  gar  gefährliche  Weise  zu  versuchen.  Ohne
lange  zu  überlegen,  war  ich  auf  die  Umzäunung  gestiegen,  die  etwa
4  Meter  hoch  war,  um  von  dort  aus  den  Kopfsprung  zu  versuchen.
Ich  springe  ab,  aber  so  unglücklich,  daß  ich  unter  lautem  Klatschen
auf  Brust  und  Bauch  fiel.  Sofort  verlor  ich  die  Besinnung,  ging
unter  und  wäre  sicher  verloren  gewesen,  wenn  nicht  Hilfe  nahe
gewesen  wäre.  Wie  man  mir  nachher  erzählte,  war  der  Schwimmmeister
  mir  sofort  nachgesprungen  und  hatte  mich  mit  Hilfe  eines
andern  Schwimmers  ans  Land  gebracht.  Die  Besinnung  kehrte