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befinden  sich  die  Bazillen.  Sie  gelangen  mit  dem  Auswurf  aus
dem  kranken  Körper.  Der  Auswurf  trochnet  unter  Einwirkung  der
Luft  ein,  wird  fein  zerstäubt  der  Atmungsluft  zugeführt  und  kann
durch  sie  in  den  gesunden  Körper  aufgenommen  werden.  So
vollzieht  sich  ein  gefährlicher  Kreislauf.  Die  Hauptaufgabe  besteht
also  in  der  Vernichtung  oder  Unschädlichmachung  des  Auswurfs
aller  Schwindsüchtigen  und  in  dem  Bestreben,  jegliche  Berührung
des  Auswurfs  zu  vermeiden.  Im  feuchten  Zustande  kann  die  Luft
die  Bazillen,  die  im  Auswurf  enthalten  sind,  nicht  fortführen.  Die
Keime  der  Schwindsucht  sind  auch  in  der  Milch  perlsüchtiger  Rühe
enthalten.  Sie  sterben  aber  beim  Kochen  der  Milch  ab;  darum  ist
genügend  gekochte  Milch  in  jedem  Fall  ungefährlich.  Zur  Hellung
und  Berhütung  der  Schwindsucht,  dieser  gefährlichsten  Volkskrank-=heit,
  werden  in  Deutschland  alljährlich  viele  Millionen  Mark  ausgegeben.


182.  Vom  Zweck  und  Nutzen  des  Schmerzes.

Von  Hermann  Dekker.

Grausam,  ungestüm  klopft  der  Schmerz  bei  uns  an.  Hart  und

schrill  klingt  sein  Schrei.  Die  Klage  will  gehört  werden.  Der
Schmerz  erzwingt  sich  Aufmerksamkeit,  man  mag  wollen  oder  nicht.
Jede  Tätigkeit  wird  sofort  abgebrochen,  jede  Handlung  brachgelegt.
So  will's  der  Schmerz,  und  so  zwingt  er  auch  den  Eigensinnigsten
nieder.  Wer  ist  so  steifnackig  und  trägt  den  Kopf  so  hoch,  daß  der
Schmerz  nicht  seinen  stolzen  Kopf  beugt  und  den  Rücken  krümmt,
daß  er  seiner  Menschenwürde  vergißt  und  in  Qualen  sich  windet?
O  ja,  der  Schmerz  macht  demütig,  er  macht  den  Menschen  klein,  so
ganz  klein.  Ist  jemand  noch  so  verloren,  daß  seinem  verrohten  Gemüt
  tiefe  Regungen  verschlossen  sind,  ist  er  so  abgestumpft,  gleichgültig
  gegen  die  Leiden  anderer,  daß  sein  unmenschliches  Gemüt
nicht  gerührt  wird  von  Mitleid,  er  selbst  zittert  vor  dem  Schmerz,
von  ihm  läßt  er  sich,  wenn  auch  zähneknirschend,  bezwingen,  daß  er
am  Boden  liegt  und  winselt.  Vor  dem  Schmerz  gibt's  kein  Erbarmen,
  keinen  Unterschied  des  Ranges  oder  Charakters.  Nicht  so
sehr  die  Krankheit  ist  es,  sondern  der  Schmerz,  der  die  Menschen
in  Scharen  zum  Arzt  treibt,  von  dem  man  weniger  die  Heilung  der
Krankheit  verlangt  als  eine  Erlösung  von  den  Schmerzen.

Wozu  diese  Grausamkeit  des  Schmerzes?  Liegt  in  ihm  nicht
eiwas  Widersinniges?  Wie  soll  er  gut,  soll  er  notwendig  sein?  Er,