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der  von  jedem  verwünscht  wird.  Und  doch!  Gerade  wegen  seiner
quälenden  Pein  ist  er  ein  guter,  lieber,  treuer  und  fürsorglicher
Freund  der  Menschen.

Man  braucht  nur  dieses  eine  kleine  Beispiel  zu  überdenken:
Ein  Mensch  geht  barfuß.  Jetzt  tritt  er  sich  einen  Dorn  in  den  Fuß.
Wie  ein  Blitz  meldet  es  der  Schmerz,  und  blitzartig  schnell  wird  der
Fuß  zurückgezogen.  Das  ist  der  erste  Vorteil,  daß  dem  Schädlichen
rasch  ausgewichen  wird.  Wenn  der  Schmerz  nicht  wäre,  dann
würde  dieser  Mann  ruhig  seines  Weges  weiterwandeln  und  sich
noch  viele  Dornen  ins  Fleisch  treten.  So  wird  —  ein  weiterer  Vorteil
  —  der  Wanderer  gezwungen,  sich  den  Dorn  auszuziehen,  um
die  Ursache  des  Schmerzes  zu  beseitigen.  Und  noch  ein  Nutzen:  er
tritt  mit  dem  verletzten  Fuß  nicht  auf,  er  schont  ihn;  so  ist  die  beste
Gewähr  für  rasche  und  sichere  Heilung  gegeben  und  vorgesorgt,  daß
sich  keine  böse  zerstörende,  eiternde  Entzündung  anschließt.  Und
wenn  sich  trotzdem  eine  solche  Eiterung  entwickelt,  so  zwingen  die
jetzt  in  besonderer  Heftigkeit  einsetzenden  Schmerzen  der  Entzündung
zu  vollständiger  Ruhe  und  Schonung,  und  das  ist  die  notwendige
Vorbedingung  für  die  Heilung.  Und  noch  ein  weiterer  Vorteil  des
Schmerzes:  der  Mamn,  der  eben  in  die  Dornen  getreten  hat,  sieht
sich  in  Zukunft  vor,  er  ist  durch  Schaden  klug  geworden.  „Gebranntes
  Kind  scheut  das  Feuer.“  So  wird  der  Schmerz  Mahner
und  Verater,  Lehrmeister  und  Erzieher.  Also  mag  wohl  niemand
mehr  an  dem  Nutzen  der  Schmerzempfindung  zweifeln.

Es  scheint  auf  den  ersten  Anblick  unverständlich,  warum  die
Schmerzempfindlichkeit  an  den  verschiedenen  Stellen  des  Körpers  so
verschieden  ist.  Ein  winziges  Staubköruchen  fliegt  ins  Auge,  und
sofort  meldet  sich  ein  heftiger,  peinigender  Schmerz,  bis  das  Körnchen
  durch  sanftes  Reiben  oder  durch  eine  schvemmende  Flut  von
Tränen  entfernt  ist.  Gelangt  ein  ebensolches  Körnchen  in  den  Mund
oder  in  die  Nase,  so  spürt  man  nichts.  Ja,  wir  atmen  eine
solche  Menge  seinsten  Staubes  ein,  daß  unsere  Lungen  schwarz  von
ihm  sind,  ohne  daß  wir  etwas  davon  merken.  Wie  grob  ist  die
Empfindlichkeit  der  Haut  im  Vergleich  zu  der  Bindehaut  des  Auges!
Und  die  Haut  ist  wieder  ganz  verschieden  empfindlich;  ein  Stich  am
Rücken  schmerzt  viel  weniger  als  ein  solcher  an  den  Fingerspitzen.
Man  erkennt  leicht  den  Grund  für  diese  Verschiedenheit  der  Schmerzempfindung.
  Die  lebenswichtigen,  feinen  und  leicht  verletzlichen  Organe,
  wie  Auge  und  Finger,  bedürfen  eines  größeren  Schutzes,  um
tüchtig  und  brauchbar  zu  bleiben.

Die  furchtbarsten  Schmerzen  verursacht  die  Entzündung.  Dies
hat  eine  große,  heilsame  Bedeutung,  denn  die  entzündeten  Teile