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Nachbarschaft,  aber  heute  war  es  gar  still  unter  dem  schattigen
Laubdache.  Nur  Winfried,  der  einzige  Sohn  des  Meisters  Ehrlich,
  hatte  sein  Lieblingsplätgchen  aufgesucht,  und  seine  Schwester
war  ihm  leise  gefolgt.  Er  schaute  wehmütig  der  untergehenden
  Sonne  nach  und  dachte  dabei  an  den  lieben  Bruder  und
Spielgenossen,  der  allzufrüh  in  kühler  Erde  begraben  wurde.
Da  stand  plötglich  ein  unbekannter  Jüngling  vor  ihnen.  Der
trug  eine  umgekehrte  verlöschende  Fackel  in  der  hagern  blassen
  Hand,  und  sein  langes  schwarzes  Haar  umflatterten  große
Schmetterlinge.  Winfried  erschrak,  als  er  die  seltsame  Gestalt
so  nahe  bei  sich  sah,  und  die  Schwester  stellte  sich  ängstlich
hinter  den  älteren  Bruder.

„lch  bin  der  Tod",  sagte  der  Fremde  mit  hohler  Stimme;
„du  hast  die  goldene  Abendsonne  zum  letzten  Male  gesehen,
und  die  Blüten  des  Holunderstrauches  duften  nicht  mehr  für
dich.  Folge  mir,  wie  auch  deine  Brüder  und  Kameraden  mir
gefolgt  sind!“"

Damit  legte  er  feierlich  die  kalte  Hand  auf  die  heiße  Stirn
des  Knaben.

„O  hab  Erbarmen  mit  meiner  Jugend!“"  flehte  Winfried.
„Sieh  meine  flinken  Füße,  meine  rüstigen  Hände,  meine  hellen
Augen  und  roten  Wangen!  Denk  auch  an  meine  armen  Eltern,
denen  du  schon  zwei  Kinder  geraubt  hast!  Weißt  du  richt,
daß  ihr  Haar  vor  Schmerz  gebleicht  und  ihre  Stirn  mit  Falten
durchzogen  ist?  Willst  du  zum  dritten  Male  Trauer  und  Tränen
  in  unser  Haus  bringen?“

„Deine  guten  Eltern  dauern  mich“,  versetgte  der  Tod,  indem
  er  einen  Schritt  zurücktrat;  „um  ihretwillen  sollst  du  für
diesmal  verschont  bleiben.  Doch  wenn  du  mich  noch  einmal
durch  meine  Gehilfen  einlädst,  werde  ich  dich  ohne  Erbarmen
mitnehmen.“

„Deine  Gehilfen“,  sprach  jetgt  Winfried  erleichtert,  „kenne
ich  nicht,  sonst  würde  ich  sie  fliehen,  sclange  mir  das  Leben
lieb  ist.“

„Ja,  so  ist  es“,  entgegnete  der  bleiche  Jüngling  und  brach
in  schadenfrohes  Gelächter  aus;  „die  Menschenkinder  fürchten
den  Tod,  aber  sie  lieben  seine  Gehilfen,  darum  mache  ich  täglich
  reiche  Beute.  Doch  du  bist  noch  jung  und  unerfahren  und
sollst  einst  die  Stütze  deiner  Eltern  werden,  deshalb  will  ich
dich  mit  meinen  Gehilfen  bekannt  machen.“

Winfried  hatte  die  Rechte  ängstlich  und  abwehrend  vorgestreckt
  und  dabei  den  Blick  auf  den  unheimlichen  Gast  ge-