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richtet.  Die  Schwester  aber  hatte  die  Hand  des  Bruders  ergriffen
  und  schaute  halb  ängstlich,  halb  neugierig  über  seine
Schulter  hinweg.

Am  westlichen  Himmel  glänzte  das  Abendrot  wie  ein  goldener
  Purpurmantel,  hochoben  auf  dem  Strohdache  zwitscherten
  die  Vögel  ihr  letztes  Lied,  und  ein  sanfter  Wind  spielte
mit  den  Blättern.

„Dein  Bruder,  um  den  du  noch  trauerst,“  begann  der  To-d,
„Wagte  sich  auf  die  dünne  Eisdecke  des  tiefen  Weihers;  er
brach  ein  und  wurde  meine  Beute,  während  du  um  Hilfe  rufend
am  Ufer  standest.  Dein  bester  Spielgenosse,  dessen  Grabhügel
noch  feucht  ist  von  den  Tränen  seiner  Eltern,  kletterte  auf
die  höchsten  Bäume;  er  tat  einen  Fehlgriff,  der  morsche  Ast
gab  nach,  und  der  jugendfrische  Knabe  lag  in  meinen  Armen.
Unvorsichtigkeit,  L.eichtsinn  und  Ubermut  waren  meine  Gehilfen,
  die  mir  zwei  blühende  Menschenleben  vor  der  Zeit  zuführten.
  Und  wo  immer  die  Jugend  spielt  und  tollt,  da  stelle
ich  diese  Gehilfen  auf.  Sie  lauern  an  dem  tiefen  Flusse  wie
an  der  klaren  Quelle  und  verführen  das  unbedachtsame  und
erhitzte  Kind  zum  Bade  oder  Trunke.  Sie  stehen  an  dem  steilen
  Abhange  der  Berge  und  an  den  Gerüsten  der  Neubauten,
sie  begleiten  die  Kinder  auf  den  belebten  Spielplatz  und  in  die
Einsamkeit  der  Felder  und  Wälder,  ja  sie  folgen  dem  schaukelnden
  Kahn  und  dem  rollenden  Wagen.  Und  kann  auch  der
frevelhafte  Leichtsinn  sein  Werk  nicht  ganz  vollbringen,  so
macht  er  doch  den  einen  zum  Krüppel  und  bringt  dem  andern
Fieber  und  Siechtum,  so  daß  ich  sie  früher  oder  später  ohne
Anstrengung  überwinden  kann.“

Winfried  schaute  beschämt  zu  Boden  und  sprach  kein
Wort,  denn  er  dachte  an  seinen  eigenen  Leichtsinn,  und  die
Schwester  atie  heimlich  den  Bruder  an,  als  wollte  sie  aagon:
Das  pabt  für  di

Der  Tod  aber.  fuhr  fort:  „Auch  die  Unreinlichkeit  ist  meine
Gehilfin.  Sie  duldet  den  Schmutz  an  Kleidern  und  Betten  und
scheut  das  Wasser.  Das  öftere  und  gründliche  Reinigen  des
Körpers  durch  kalte  Abwaschungen  oder  durch  Baden  kann  sie
nicht  ausstehen,  und  das  Putzen  und  Schrubben  in  den  Wohnräumen
  ist  ihr  verhaßt.  Sie  verhindert  auch  das  tägliche  Lüften
der  Wohn-  und  Schlafzimmer,  damit  der  Mensch  statt  der  reinen
belebenden  Luft  nur  widerliche  Dünste  und  verbrauchte  Stubenluft
  einatmet.“