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„Jetzt  weiß  ich  auch,“  versetzte  der  Knabe,  „weshalb  du
bei  ansteckenden  Krankheiten  in  unsaubern  Häusern  und  dumpfen
  Wohnungen  die  reichste  Beute  findest;  aber  auch  die  Wahrheit
  des  Sprichworts  „Reinlichkeit  erhält  den  Leib“  verstehe
ich  jetzt  besser  als  früher.“

Der  Jüngling  senkte  beifällig  das  Haupt,  heftete  die  schwarzen
  Augen  auf  den  Knaben  und  sprach  weiter:  „Hüte  dich  vor
jeder  Unmäßigkeit  im  Essen  und  Trinken,  damit  du  nicht  vor
der  Zeit  in  das  Grab  sinkst.“

Der  unerfahrene  Knabe  konnte  die  Bedeutung  dieser  Worte
  noch  nicht  ganz  verstehen,  darum  fragte  er  schüchtern:  „Sind
nicht  Krieg  und  Oberschwemmung  bessere  Gehilfen?“

„Auch  diese  stehen  in  meinem  Dienste“,  antwortete  der
Tod;  „sie  arbeiten  schnell  und  furchtbar,  doch  hat  sie  der
Schöpfer  alles  Lebens  an  Zeit  und  Ort  gebunden.  Die  Unmäßigkeit
  aber  führt  mir  bei  Tag  und  Nacht  aus  allen  Himmels--gegenden
  immer  neue  Opfer  zu.  Sie  dringt  in  Hütten  und
Schlösser,  in  die  stillen  Dörfer  und  geräuschvollen  Städte;
Jünglinge  und  Männer  nimmt  sie  gefangen,  und  selbst  Kinder
und  Greise  sind  nicht  sicher  vor  ihr;  darum  ist  sie  mir  lieber
als  Krieg  und  Oberschwemmung.  Schon  das  gierige  Essen
und  die  Oberladung  des  Magens  mit  besonders  zusagender
Kost  gehört  zur  Unmäßigkeit.  Weit  gefährlicher  aber  wird
meine  Gehillin,  wenn  sie  den  Menschen  zum  vorzeitigen  oder
übermäbigen  Genusse  geistiger  Getränke  verleitet.  Milch  ist
der  beste  Wein  für  Kinder,  und  einfache  Kost  ohne  Ledtereien
und  scharfe  Gewürze  macht  rote  Wangen.“

Die  Schwester  wollte  schon  reumütig  gestehen,  dab  sie
wählerisch  im  Essen  gewesen,  auch  grasgrüne  Apfel  wie  Leckerbissen
  verzchrt  habe,  aber  der  Tod  ließ  sie  nicht  zu  Worte
kommen.

„Du  hast  auch  eine  Seele,  mein  Kind“,  fuhr  er  mit  sanfter
  Stimme  fort;  „sie  ist  zwar  unsterblich,  doch  „wenn  ich  sie
verwüste,  wellct  bald  der  Leib  dahin  wie  eine  Blume  im  Herbste.
Hast  du  nie  von  dem  hagern  und  hohläugigen  Weibe  gehört,
das  sich  auf  einen  Dornenstode  stützt  und  sein  eigenes  Herz
verzehrt?  Ich  meine  den  blassen  Neid,  der  die  Gesundheit
untergräbt  und  gleich  der  Unmäßigkeit  mein  treuester  Gehilfe
ist.  Und  wie  den  Neid,  so  habe  ich  jede  Leidenschaft  in  meinen
Dienst  genommen.  Doch  jetzt  wißt  ihr  genug.  Erzählt  keinem
Sterblichen  von  meinen  Gehilfen,  denn  sonst  wäre  meine  Macht
gebrochen,  und  die  Welt  würde  mit  Menschen  überfüllt  werden.“