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verleihen  wollte,  würde  ein  großer  Narr  sein.  Wirkliche  Kraft  geben
außer  der  Übung  nur  eine  gute  Ernährung  und  ausreichende  Ruhe.
Daß  der  Alkohol  vorübergehend  Kraft  freimacht,  aber  nicht  verleiht,
ist  richtig,  aber  er  bewirkt  sehr  bald  danach  eine  viel  größere  Erschlaffung
  und  Ermattung;  sein  Schaden  ist  größer  als  sein  Nutzen.
Man  kann  sich  allerdings  über  die  Erschlaffung  wieder  hinwegbringen
  durch  einen  Schnaps,  dann  kann  man  wieder  weiterarbeiten.
Aber  wer  diese  Methode  fleißig  übt,  der  wird  sehr  bald  aus  einem
Gelegenheitstrinker  ein  Gewohnheitstrinker,  aus  einem  Trinker  ein
Sänfer,  und  wie  stark  so  ein  Schnapser  schließlich  noch  ist,  das
wissen  wir  alle;  da  kann  ein  Kind  einen  Riesen  umwerfen.  Wer
bei  der  Arbeit  oder  sonst  ein  Erregungsmittel  wirklich  braucht,  der
wähle  Kaffee,  Tee,  Fleischbrühe  oder  Zucker.  Sie  wirken  zwar  nicht
so  stark,  aber  sie  haben  auch  nicht  die  Gesahren  des  Alkoholgiftes.

„Ich  erwärme  euch“,  ist  die  zweite  Lüge  des  Alkoholgeistes.
Es  ist  richtig,  daß  der  Alkohol  im  Körper  verbrennt  und  dadurch
Wärme  erzeugt,  aber  er  hat  zugleich  die  Eigenschaft,  das  Blut  nach
außen  zu  den  Wandungen  des  Körpers  zu  treiben  und  dori  die
Blutgefäße  der  Haut  zu  erweitern,  so  daß  sie  die  Wärme  schnell
abgeben.  Dadurch  vermindert  er  die  Körperwärme,  statt  sie  zu
erhöhen.  Deshalb  erfrieren  auch  die  Schnapstrinker  am  häufigsten,
weil  sie  sich  von  dieser  ersten  Hitze  täuschen  ließen.  Wenn  von  Napoleons
  Soldaten  in  Rußland  so  viele  erfroren,  so  war  das  weniger
der  Kälte  als  dem  Brauntwein  zuzuschreiben.  Der  Nichttrinker
verwendet  sein  Geld  zu  warmer  Kleidung  und  kräftiger  Ernährung,
und  das  sind  die  wahren  Wärmespender.  Man  denke  nur  an  den
tapfern  Norweger  Frithiof  Nansen!  Er  hat  niemals  ein  geistiges
Getränk  für  die  Ernährung  oder  Erwärmung  gestattet.  Ich  habe
einen  Brief  von  ihm  in  Händen  gehabt,  in  dem  er  die  Ansicht,  alkoholische
  Getränke  seien  in  einem  kalten  Lande  notwendig,  als  völlig
  falsch  bezeichnet.

Hören  wir  weiter,  was  der  Erzschelm  Alkohol  zu  uns  sagt:
„Ich  mache  euch  gesund.“  Als  Heilmittel  gegen  alle  möglichen
Kramkheiten.  als  Kräftigungsmittel  gegen  alle  möglichen  Schwächen
werden  ja  die  verschiedensten  Schnäpse,  Liköre,  Biere  und  Weine
empfohlen.  Aber  welcher  Arbeiter  wird  wohl  eher  die  Schwindsucht
bekommen?  Der  eine  verbringt  seine  freie  Zeit  in  Wald  und  Feld,
vielleicht  in  seinem  kleinen  Garten  und  trinkt  Milch  und  Wasser  zu
seinem  Brote,  der  andere  sitzt  die  Abende  und  halben  Nächte,  die
halben  oder  ganzen  Sonntage  in  dem  Tabaksqualm  der  Kneipen  bei
Lagerbier  und  Schnaps.  Und  wie  bei  der  Schwindsucht,  so  hilft
der  Trunk  fast  bei  allen  Krankheiten  mit.