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Es  gibt  wenig  Organe  unsers  Körpers,  denen  der  Alkohol
nicht  schweren  Schaden  zufügt.  Schon  die  Kehle,  die  ihn  schlucken
muß,  verdirbt  er;  sie  schmerzt  und  klingt  rauh  und  heiser.  Im
Magen  bewirkt  er  Entzündungen,  Blutergüsse,  Geschwüre.  Alle  Trinker
  leiden  am  Magen.  Der  Trinker  ißt  nicht  bloß  in  vielen  Fällen
zuwenig,  er  ißt  auch  falsche,  unzuträgliche  Speisen.  Er  verliert
den  Appetit  für  milde,  süße,  natürliche  Nahrungsmittel,  er  mag
oder  verträgt  Obst,  Milch,  Pflanzenkost  nicht  mehr;  er  verlangt
immer  nach  scharf  gesalzenen  und  gepfefferten  Sachen,  nach  rechten
Wirtshausspeisen,  die  wieder  zum  Trinken  reizen.  Dem  Wassertrinker
  schmecken  eine  Milchsuppe,  ein  Erbsenbrei,  ein  Apfel  herrlich,
so  gut  wie  sie  dem  unverdorbenen  Kinde  schmecken;  der  Lagerbierund
  Schnapstrinker  kennt  diesen  Genuß  nicht  mehr,  er  verdirbt  sich
weiter  mit  scharf  gewürzten  Fischspeisen  oder  mit  Paprikafleisch.

Wie  der  Magen,  so  leiden  auch  Leber  und  Nieren.  Die  Leber
wird  bei  Bier=  und  Weißweintrinkern  krankhaft  aufgedunsen,  bei
Schnapstrinkern  schrumpft  sie  zusammen  zu  der  bekannten  Schnapstrinkerleber,
  die  eine  sehr  häufige  Krankheit  ist.  Die  daran  leiden,
sind  durch  ihre  erdfahle  Farbe  und  große  Magerkeit  erkenntlich.
Die  Nieren  dienen  zur  Auslangung  unsers  Körpers,  zur  Entfernung
aller  überflüssig  und  schlecht  gewordenen  Blutbestandteile;  ihr  zartes
Gewebe  verträgt  den  Alkohol  schlecht;  auch  diese  Organe  werden  aufgedunsen,
  oder  sie  verschrumpfen,  und  damit  hängt  oft  die  Wassersucht
  oder  ein  anderes  Leiden  zusammen.

Sehr  gefährdet  wird  namentlich  auch  das  Herz,  von  dessen
Arbeit  in  erster  Linie  unser  Leben  abhängt.  Hier  ist  das  Bier
am  gefährlichsten.  Die  starken  Biertrinker  bedenken  nicht,  daß  sie
ganz  unsinnige  Mengen  Flüssigkeit  in  den  Leib  gießen;  diese  große
Wassermasse  —  denn  neun  Zehntel  des  Bieres  oder  mehr  sind
Wasser  —  muß  in  die  Adern  aufgenommen,  durch  den  Körper  getrieben
  und  schließlich  durch  Lunge,  Haut  und  Nieren  wieder  ausgestoßen
  werden.  Das  erfordert  aber  eine  Arbeit  des  Herzmuskels,
die  er  auf  die  Dauer  nicht  verrichten  kann.  Da  geht  es  dem  Herzen
bald  wie  einem  übermäßig  angespannten  Gummibande;  es  verliert
die  Kraft,  sich  gehörig  einzuziehen  und  auszudehnen.

Noch  schlimmer  ist  der  Einfluß  des  Alkohols  auf  das  Gehirn
  und  die  Nerven.  Der  Alkohol  ist  in  erster  Linie  ein  Nervengift.
  Der  Rausch  ist  eine  vorübergehende  Vergiftung;  beständiges
Trinken  führt  zu  beständiger  Vergistung.  Wie  manches  Vergehen.
und  Verbrechen  kommt  doch  von  dieser  Vergiftung  des  Denkens
und  Fühlens  her!  Woher  kommen  die  Schlägereien,  Messersteche-