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reien  und  Morde?  Gewiß  nicht  allein  vom  Rausche  und  Trunke,  sondern
  auch  von  der  Sünde  in  uns,  von  dem  Neide,  der  Eifersucht,
dem  Hasse,  dem  Zorn  und  der  Begehrlichkeit;  aber  in  den  meisten
Fällen  würde  das  Verbrechen  nicht  ganz  fertig  werden,  wenn  nicht
der  Alkohol  als  der  große  Bundesgenosse  mithülfe,  wenn  er  nicht
die  Sinne  erregte,  das  Gewissen  betäubte  und  die  guten  Regungen
einschläferte.

Der  Alkohol  ist  auch  der  beste  Diener  des  Todes.  Die  großen
  Schlachten  und  Kriege,  auch  die  großen  ansteckenden  Krankheiten,
  wie  Cholera.  Influenza  und  Pest,  sind  nichts  gegen  ihn;
denn  er  ist  jeden  Tag,  jede  Stunde  am  Werke.  Er  macht  seine
Freunde  vor  der  Zeit  alt,  dreißigjährige  junge  Menschen  zu  Greisen
an  Leib  und  Seele;  er  streckt  sie  vor  der  Zeit  auf  das  Totenbett.

Nun  hören  wir  den  Alkohol  seinen  letzten  Trumpf  ausspielen:
„Ich  mache  fröhlich  und  lustig.“  Aber  auch  hier  ist  er  kein
Wohltäter,  sondern  ein  Betrüger.  Er  lügt  uns  vor,  wenn  wir  beim
Becher  siten,  wir  seien  brave,  vollkommene  Menschen,  wir  seien  ganz
im  Recht,  aber  alle  Welt  tue  uns  unrecht,  wir  seien  die  Könige
der  Welt.  Und  während  wir  eingebildetes  Glück  genießen,  schaffen
wir  Elend  um  uns  herum,  Elend  für  andere,  Elend  auch  für  uns
selbst.  „Der  Trunk  nimmt  die  Sorgen,  aber  nur  bis  morgen."“
Der  Trinker  hat  zwar  manche  lustige  Stunde,  aber  doch  ein  elendes
Leben;  alles  in  allem  ist  der  fleißige,  sparsame  Arbeiter  viel  fröhlicher,
  heiterer,  glücklicher  als  der  trinkende  Arbeiter.  Der  fleißige
Arbeiter  sieht  sich  häufig  von  Wohlstand,  Gesundheit,  Behagen  und
Familienglück  umgeben  —  der  Trinker  von  Armut,  Krankheit,  Verdruß
  und  Familienelend.  Der  nüchterne  Mann  wird  geachtet  und
geliebt,  der  Trinker  wird  verachtet  und  gehaßt.

187.  Verloren.  Von  Luise  Egli.

Am  Wegrand  sah  ich  einen  Fremdling  liegen
Und  wollte  hilfsbereit  die  Hand  ihm  reichen;

In  seinen  wüsten,  aufgedunsnen  Zügen

Sah  ich  mit  Schmerz  des  Feuertrankes  Zeichen.

2.  Ein  frischer  Bursch,  ging  einst  er  auf  die  Reise;
Geknickt,  verdorben  liegt  er  nun  am  Raine.  —
Mir  ists,  als  ob  im  Windesrauschen  leise
In  weiter  Ferne  eine  Mutter  weine.