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Und  welch  reges  Verkehrsleben  hat  sich  auf  unserm  Rhein  entwickelt!
  Stöhnende  Schleppdampfer  ziehen  schwerbeladene  Frachtschisse
  zu  Berg,  breite  Holzflöße  schleichen  zu  Tal,  behende  Bovote
und  leichte  Fährnachen  verbinden  die  Ufer  miteinander,  Fischerkähne
schaukeln  wie  Nußschalen  auf  den  Wellen,  schwerfällige  Bagger  beseitigen
  die  Untiefen,  und  winkende  Gäste  blicken  von  stattlichen
Personendampfern  fröhlich  darein.

Nach  seinem  Eintritt  in  das  enge  Rheintal  macht  unser
Strom  so  viele  Krümmungen,  daß  wir  den  Lauf  nicht  weit  verfolgen
  können;  vor  den  erstaunten  Blicken  entstehen  immer  neue  Landschaftsbilder.
  Freundliche  Städte  und  Dörfer  ziehen  sich  zwischen
dem  Usfer  und  den  Höhen  hin:  Weinreben  zieren  die  Felsabhänge,
zahlreiche  Burgruinen  schauen  ernst  von  den  Höhen  herab,  und
neue  Bergschlößchen  grüßen  friedlich  ins  Tal.  Unterhalb  der  altertümlichen
  Stadt  Bacharach  überrascht  uns  der  Anblick  einer  vieltürmigen
  Warte;  es  ist  die  Pfalz,  die  sich  auf  einem  Felsen  mitten
im  Strom  erhebt.  Dicht  dabei  liegt  das  Städtchen  Kaub,  wo  in
der  Neujahrsnacht  1814  Fürst  Blücher,  der  tapfere  Degen,  mit  dem
preußischen  Heere  über  den  Rhein  setzte,  „dem  Siege  entgegen  in
Frankreich  hinein“.  Noch  weiter  zu  Tal  stemmt  sich  der  Loreleifelsen
wie  ein  mächtiger  Damm  dem  Strom  entgegen,  und  vom  linken
Ufer  grüßt  uns  über  St.  Goar  hinweg  von  stolzer  Bergeshöhe  die
Burgruine  Rheinfels.  Von  hier  aun  treten  die  Berge  Unmer  mehr
zurück;  sie  machen  reichen  Fluren  Raum,  und  schattige  Nußbäume
umgeben  die  Dörfer.  Nicht  weit  von  Boppard  erscheint  der  in  der
Geschichte  der  deutschen  Kaiser  oft  genannte  Flecken  Rhens  mit
seinem  Königsstuhl.  Hier  versammelten  sich  die  deutschen  Kurfürsten
zu  wichtigen  Beratungen  und  zur  Königswahl.  Von  Rhens  aus
sieht  man  die  Burg  Stolzenfels.  Wahrhaft  königlich  und  stolz  erhebt
  sie  sich  auf  einem  Bergkegel  mit  ihren  hohen  Mauern,  Zinnen
und  Türmen,  von  denen  schwarzweiße  Fahnen  wehen.

Stolzenfels  gegenüber  mündet  bei  Niederlahnstein  die  Lahn
in  den  Rhein.  Weiter  abwärts  am  Zusammenflusse  der  Mosel  mit
dem  Rhein  liegt  Coblenz  in  prachtvoller  Gegend;  gegenüber  erheben
  sich  die  Felsen  der  starken  Feste  Ehrenbreitstein,  und  vom
Deutschen  Eck  leuchtet  ein  herrliches  Denkmal  Kaiser  Wilhelms  des
Großen  weit  in  die  Lande.  —  Nein:

„Sie  sollen  ihn  nicht  haben,  den  freien  deutschen  Rhein,

Ob  sie  wie  gier'ge  Raben  sich  heiser  danach  schrein,

Solang  er  ruhig  wallend  sein  grünes  Kleid  noch  trägt,

Solang  ein  Ruder  schallend  in  seine  Woge  schlägt“