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Bei  Remagen  beginnt  wieder  eine  der  anmutigsten  Gegenden  des
Rheins.  Steil  und  kühn  erhebt  sich  hart  am  rechten  Ufer  der
Drachenfels  mit  Burgruine  und  Schloß;  ihm  gegenüber  liegt  der
Godesberg;  beide  bilden  gleichsam  das  weite  Tor  zu  dem  engen
Rheintale,  das  wir  bisher  durchwandert  haben.  In  der  Nähe  sehen
wir  die  düstere  Ruine  Rolandseck  und  unter  ihr  im  Rhein  die  Insel
Nonnenwerth  mit  einer  katholischen  Erziehungsanstalt  für  Mädchen.

Nun  tritt  der  Strom  für  immer  aus  den  Bergen  heraus;  der
Niederrhein  nimmt  seinen  Lauf  durch  eine  weite  Ebene,  die  immer
flacher  und  gleichförmiger  wird.  Zunächst  fließt  er  an  der  Universitätsstadt
  Bonn  vorüber.  Eine  prächtige  Brücke  verbindet  die  Stadt
mit  dem  rechten  Rheinufer.  Reiche  Getreidefelder  und  Obstanpflanzungen
  begleiten  den  Rhein  zu  beiden  Seiten  bis  nach  Cöln  hin.
Zwei  gewaltige  Vrücken  überspannen  hier  den  von  Fahrzeugen  aller
Art  belebten  Strom.  Die  Stadt  mit  den  hohen  Domtürmen  bietet
dem  Beschauer  ein  Bild,  wie  es  schöner  nur  selten  zu  finden  ist.
Weiter  nordwärts  kommen  wir  an  der  Künstlerstadt  Düsseldorf,  an
dem  großen  Hafen  von  Duisburg-Ruhrort  und  an  der  Festung  Wesel
vorbei,  während  Nuhr  und  Lippe  Grüße  aus  Westfalen  bringen.
Immer  breiter  ist  das  Flußbett  geworden,  und  zögernd  tritt  der
deutsche  Strom  unterhalb  Emmerich  in  die  vorgelagerten  Niederlande
  ein  Hier  entsendet  er  die  Waal  und  den  Leck  zur  Maas,  die
Neue  assel  und  den  Krummen  Rhein  zum  Zuidersee  und  erreicht
nur  mit  einem  kleinen  Arme,  der  Alter  Rhein  genannt  wird,  bei
Leiden  die  Nordsee.  Die  Maas  ist  durch  die  Gewässer  des  Rheines
zu  einem  mächtigen  Strom  angewachsen;  sie  fließt  dicht  an  Rotterdam
  vorüber  und  hat  diese  Stadt  zu  einer  der  bedeutendsten  Seehandelsstädte
  gemacht.

Vom  Fels  zum  Meer  hat  der  Rhein  eine  Strecke  von  1200  km
zurückgelegt.  ·

191.  Ein  Besuch  in  der  Gerresheimer  Glashütte.
Bon  Frledrich  Brücker.
Wir  benutzen  die  Eisenbahn,  die  von  Düsseldorf  nach  Elberfeld
fährt,  und  steigen  an  der  ersten  Station,  Gerresheim,  aus.  Bom
Bahnhof  haben  wir  nur  wenige  Schritte  bis  zur  Glashütte.  Sieh,  da
taucht  schon  das  rauchgeschwärzte  Fabrikgebände  vor  unsern  Angen
auf.  Eine  große  Tafel  in  der  Nähe  des  Eingangs  besagt,  daß  die
Besichtigung  des  Betriebes  nicht  gestattet  ist.  Das  braucht  uns
aber  nicht  abzuschrecken,  denn  wir  haben  für  heute  ein  „Türlein,
öffne  dich!“  in  der  Gestalt  eines  ehrlich  erworbenen  Erlaubnis-Lesebuch
  für  Obecklassen.  D.  18