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Solinger  Stahlwaren  finden  sich  in  Palästen  und  Hütten.  Die
zierlichen  Taschenmesser  wie  die  Scheren  des  Handwerkers  und
der  Hausfrau,  die  Tischmesser  und  Gabeln,  die  chirurgischen  Werkzeuge
  des  Arztes,  Rasiermesser  und  Haarschneidemaschinen,  die  Bügel
an  den  Geldtaschen,  die  Gestelle  in  den  Regen-  und  Sonnenschirmen:
alles  entstammt  den  Fabriken  und  Werkstätten  der  bergischen  Stadt.
Der  jährliche  Umsatz  dieser  Waren  hat  einen  Wert  von  fünfundvierzig
  Millionen  Mark.

193.  Die  Rieseubrücke  bei  Müngsten.

Von  Artur  Rehbein.

Um  die  berühmte  Müngstener  Riesenbrücke,  die  höchste  Deutschlands,
  zu  besichtigen,  wandern  wir  vom  Bahnhof  Solingen  nach
der  Haltestelle  Schaberg  der  Bahn  Solingen—Remscheid.  Bis  vor
wenigen  Jahren  waren  die  beiden  Schwesterstädte  Remscheid  und
Solingen,  die  wegen  ihrer  Gewerbebetriebe  eng  aufeinander  angewiesen
  sind,  ohne  unmittelbare  Eisenbahnverbindung.  Das  zwischen
ihnen  liegende  breite  und  tiefe  Tal  galt  lange  als  ein  unüberwindliches
  Hindernis;  es  schien  unmöglich,  die  beiden  Städte  durch  einen
Schienenweg  miteinander  zu  verbinden.

Einen  eigentümlichen  Eindruck  macht  es,  wenn  mitten  in  der
Waldeinsamkeit  zuerst  die  gewaltigen  Eisenmassen  des  kühnen  Bauwerks
  uns  entgegenstarren.  Es  ist,  als  ob  ein  ungefüger  Riese  die
ursprüngliche  landschaftliche  Zeichnung  mit  ein  paar  dicken  Federstrichen
  habe  vernichten  wollen.  Doch  wenn  wir  weiiterschreiten
und  nun  allmählich  den  weiten  Bogen  mit  den  Augen  erfassen,  dann
verschwindet  diese  Empfindung,  und  in  schönem  Ebenmaß  verbindet
sich  die  Brücke  mit  ihrer  Umgebung.

Seit  Kaiser  Wilhelm  U.  die  Brücke  dem  Verkehr  übergeben
hat,  begleitet  ein  breiter  Fahrweg  das  rechte  Wupperufer,  wo
früher  nur  ein  schmaler  Fußpfad  durch  laubiges  Gestrüpp  und  über
Steingeröll  führte.  Kaum  sind  wir  einige  Schritte  gegangen,  da
sehen  wir  das  eiserne  Riesenwerk  in  seiner  ganzen  Großartigkeit
vor  uns.  Wie  die  Rieseneiche  sich  aus  dem  niedrigen  Gestrüpp
emporreckt,  so  wachsen  hier  die  gewaltigen  Pfeiler  aus  dem  Buschwerk
  in  die  Höhe.  Allein  nicht  sie  sind  es,  die  unser  größtes  Erstaunen
  erregen,  sondern  das  Bewundernswerteste  der  erfindungsreichen
Schöpfung  ist  der  kunstvolle  Bogen,  der  in  einer  lichten  Spannweite
  von  160  m  den  Fluß  überbrückt.  Wenn  man  gerade  unter