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der  Brücke  steht  und  zu  ihr  emporsieht,  so  schwindelt  es  einem  just
so,  als  wenn  man  etwa  vom  Cölner  Dom  in  die  Tiefe  schaut.
Wenige  Meter  flußabwärts  geht  die  neue  Fahrstraße  wieder
in  den  Fußweg  über,  der  uns  nun  einen  wahren  Reichtum  von
Schönheiten  erschließt.  Immer  höher  geht's  an  der  steilen  Wand
hinanf,  immer  tiefer  wird  die  Schlucht,  in  deren  Grund  die  Wupper
rauscht.  Ein  Bach  rieselt  vom  Felsen  herunter  und  poltert  über
Steingeröll  in  die  Tiefe.  Die  Landschaft  wird  immer  wilder  und
malerischer.  Die  Natur,  die  wir  kurz  vorher  noch  gebändigt  und  in
eiserne  Fesseln  geschmiedet  sahen,  ist  hier  wieder  frei,  trotzig  und  stark.
Ehe  wir  um  die  nächste  Felsecke  biegen,  werfen  wir  noch
einen  Abschiedsblick  auf  die  Brücke.  Eben  fährt  ein  Eisenbahnzug
von  Schaberg  ab.  Wie  winzig  die  Lokomotive  und  die  Wagen  auf
dem  riesenhaften  Bauwerk  erscheinen!  Während  der  ganzen  Fahrt
zittert  ein  dumpfes  Rollen  durch  das  Eisengerüst;  es  ist,  als  ob  die
Träger,  Schrauben  und  Nieten  aus  ihrem  Schlaf  erwachten  und
murmelten  und  murrten,  daß  man  sie  hier  für  ein  Werk  von
schwindelnder  Kühnheit  in  den  Dienst  der  Menschen  gezwungen  hat.

94.  Die  Talsperre  bei  Remscheid.
Von  Heinrich  King.

ie  oft  versuchen  nicht  Knaben,  eine  Wasserrinne  durch  Steine

und  Erde  abzudämmen!  Wenn  sich  dann  hinter  der  kleinen
  Mauer  ein  Teich  gebildet  hat,  so  machen  sie  eine  ÖOffnung
in  den  Damm,  und  das  hervorströmende  Wasser  muß  eine  kleine
Mühle  treiben.  Das  ist  eine  Talsperre  im  kleinen.  Größere
Sammelteiche  findet  man  bei  jeder  Wassermühle  und  bei  jedem
Hammerwerke,  das  durch  Wasser  getrieben  wird.

Eine  großartige  Talsperre  hat  die  Stadt  Remscheid  im
Eschbachtale  anlegen  lassen.  Alljährlich  wird  sie  von  vielen
Reisenden  besucht.  An  einem  schönen  Sommertage  machen
auch  wir  uns  auf  den  Weg  dorthin.  Von  Remscheid  aus  durchwandern
  wir  zunächst  ein  herrliches  Nebental,  das  seine  Gewässer
  zum  Eschbache  sendet.  Seiner  Naturschönheiten  wegen
wird  es  im  Vollesmunde  Tirol  genannt.  Dann  wenden  wir  uns
dem  Haupttale  zu  und  sehen  nach  einer  einstündigen  Wanderung
die  gewaltige  Sperrmauer  vor  uns.

Sie  ist  25  m  hoch  und  160  m  lang.  Eine  Million  Kubilemeter
  Wasser  vermag  das  Sammelbecken  zu  fassen.  Unser