297

auf  den  Amboß  unter  den  Hammer.  Ein  Wink,  und  der  hammerschmied
  läßt  den  Koloß  niedersausen.  Ein  Funkenregen  sprüht  hervor
wie  ein  prächtiges  Raketenfeuer.  Die  Erde  dröhnt  unter  meinen  Süßen.
Bis  zu  dem  Mauerwerk  pflanzt  sich  das  Zittern  fort.  Wieder  greifen
die  Sangen  zu  und  drehen  den  Block,  wieder  saust  der  hammer  herab.
Wie  weiches  Wachs  dehnt  sich  das  Metall  unter  den  wuchtigen  Schlägen.
Breiter  und  dünner  formt  sich  der  Bloch  zu  einer  hreisrunden  Masse.
hurtig  greifen  die  Sangen  der  Arbeiter  ein  und  legen  ihn  unter  einen
zweiten  hammer,  der  einen  kegelförmig  zugespitzten  Kusatz  besitzt.
Dröhnend  fällt  der  Hammer  nieder.  Tief  bohrt  sich  die  Spitze  in  die
Mitte  der  glühenden  Masse.  Bald  erscheint  eine  kreisrunde  Offnung.
Die  Krbeiter  wenden  den  Block,  und  auch  an  dieser  Seite  treibt  der
hammer  eine  GOffnung  hinein.  Ein  dritier  Hammer  gibt  der  glühenden
  Scheibe  den  vorstehenden  Radkranz.  Der  Radreifenring  ist  im
rohen  fertiggeschmiedet.  Nun  wandert  er  in  das  Walzwerk  und  in  die
Radsatzdreherei,  wo  er  vollständig  fertiggearbeitet  wird.  Das  hammerwerk
  der  Rheinischen  Stahlwerke  besitzt  sechs  Dampfhämmer  mit
800  bis  15000  kg  Jallgewicht.

Vom  Hammerwerk  wandern  wir  zum  Walzwerk,  wo  die  Eisenbahnschienen,
  Schwellen,  Knüppel,  T-Eisen  und  Platinen  (Eisenplatten,
sogenannte  halbfertige  Erzeugnisse  für  Blechwalzwerke)  gewalzt  werden.
Was  mir  zunächst  ins  ZKuge  fiel,  waren  die  in  einer  Dertiefung  des
Bodens  eingebauten  Rollen,  die  hintereinanderliegend  lange  Straßen
bildeten.  Jede  Rollenstraße  war  in  der  Mitte  von  den  aufgestellten
Walzen  in  zwei  Teile  zerlegt.  Die  Rollen  werden  auf  elehtrischem
Wege,  die  Walzen  durch  riesige  Dampfmaschinen  und  Elehtromotoren
von  3000  bis  12  000  Pferdekräften  in  Bewegung  gesetzt.

Noch  lausche  ich  den  Erklärungen  meines  Hührers,  da  fesselt  mein
Kuge  ein  wunderbares  Schauspiel.  Ein  feuriger  Stahlblock  tänzelt
die  Rollenstraße  hinauf  zu  den  Walzen.  Wie  ein  roter  Feuersalamander
  windet  er  sich  daher,  unheimlich  behend.  An  den  Walzen  angelangt,
stutzt  er  einen  Kugenblich,  dann  zwängt  er  den  feurigen  Leib  in  das
Getriebe  und  verschwindet  wie  eine  Eidechse  im  Gebüsch.  Der  Eisenbloch
  ist  durch  den  ersten,  größeren  Walzeneinschnitt  gepreßt  worden.
n  der  andern  Seite  fassen  ihn  die  Zangen  der  Krbeiter,  und  nun
eilt  er  in  umgekehrter  Richtung  der  Walze  entgegen.  Jetzt  schlängelt
sich  das  „rote  Tier“  durch  einen  engeren  Walzeneinschnitt  und  kommt
schlanher  und  länger  an  unserer  Seite  zum  Vorschein.  Ist  der  Block
so  mehrmals  hin  und  her  gegangen,  so  hommt  er  auf  eine  zweite,
vielleicht  auch  dritte  Rollenstraße,  und  allmählich  verwandelt  sich  die
Eidechse  in  eine  lange  feurige  Schlange.  Zischend  fährt  sie  durch
die  Walzen  hindurch.  Lang  und  leuchtend  windet  sie  sich  über  die