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198.  Die  Rheinschiffahrt.  Von  Tasing.

Wer  am  Rheinufer  wohnt  und  zu  allen  Tagcszeiten,  vom  frühesten
  Morgen  bis  neun  Uhr  abends,  das  bunte  Treiben  auf
dem  Wasser  beobachtet,  der  kann  in  etwa  die  Bedeutung  und  Regjamkeit
  der  Rheinschiffahrt  ermessen.  Wenn  nicht  dichter  Nebel  ein
Unglück  fürchten  läßt,  so  ertönen  schon  beim  frühesten  Morgengrauen
die  Abfahrtsignale.  Wenige  Schläge  an  die  Schiffsglocken  rufen  die
gesamte  Mannschaft  aus  den  Betten  der  Kabinen.  Die  Heizer  eilen
in  die  Maschinenräume.  Bald  steigen  Rauchwolken  aus  den  Kaminen.
  Schiffseigentümer,  Steuerleute  und  Knechte  erscheincn  auf  dem
Deck.  Ein  neues  Glockenzeichen  ertönt.  Die  schweren  Ankerketten
werden  rasselnd  emporgezogen.  Die  Maschinen  fangen  an  zu  arbeiten,
  und  die  Fahrt  beginnt.  Den  ganzen  Tag  hindurch  eilen
stolze  Fahrzeuge  rheinab  und  rheinauf.  Lange  Schleppkähne,  oft  fünf
bis  sechs  an  der  Zahl,  im  Innern  und  auf  dem  Deck  mit  Riesenladungen
  belastet,  werden  von  starken  Schleppdampfern  durch  die
Wellen  gezogen.  Die  größten  Schleppkähne  des  Rheines  tragen
95000  Zentner.  Die  Schlepper  sind  teils  Rad-,  teils  Schraubendampfer.
  Die  stärksten  unter  ihnen  schleppen  eine  Gesamtlast  von
200000  Zentner.  Andere  Güterschiffe  lassen  sich  durch  Segel  treiben.
Man  zählt  mehr  als  9000  Schleppkähne  und  Segelschisse  auf  dem
Rheine.  Ihre  Ladungen  bestehen  aus  Kohlen,  Koks,  Getreide,  Dünger,
  Erzen,  Roheisen,  Eisenwaren,  Steinen,  Steingut,  Traß,  Zement,
Kalk,  Obst,  Mineralwasser,  Holzdielen  und  Holzstämmen.  Gegen
25  Millionen  Tonnen  dieser  Güter  werden  jährlich  auf  dem  Rheinstrome
  befördert.

Stattlicher  und  schneller  eilen  die  Güterdampfer  mit  ihren
Stückgütern  dahin.  Die  größten  Dampfer  dieser  Art  haben  eine
Länge  von  85  m  und  tragen  975  t.  Einige  Güterdampfer  befördern
  auch  Personen.

Die  stolzesten  Fahrzeuge  des  Rheinstromes  sind  die  Personenboote.
  Unter  ihnen  ragen  durch  stattlichen  Ban  und  vornehme
Ausstattung  die  Salonboote  hervor.  Sie  haben  eine  Länge  bis  zu
83  m  bei  einer  Breite  bis  8,20  m.  Gegen  zwei  Millionen  Rheinreisende
  werden  jährlich  durch  Personenboote  befördert.  Ungefähr
50  Dampfer  dienen  dem  Rheinseeverkehr,  d.  h.  sie  fahren  ihre
Güter  unmittelbar  aus  England,  Rußland  und  den  deutschen  Seehäfen
  zu  den  Rheinstädten.  Sie  laden  jährlich  ungefähr  200  000  t.
Die  Gesamtzahl  aller  Rheindampfer  beträgt  mehr  als  1300.  Eine
Abwechslung  in  den  regsamen  Verkehr  der  Schiffe  bringen  die  Holzflöße,
  die  von  Schleppdampfern  rheinab  gezogen  werden.  Renn-