—  300  —

und  Fährboote,  Ruderboote  und  Fischernachen  suchen  sich  in  dem
bunten  Getriebe  ihren  Weg.  Bis  zum  späten  Abend,  wenn  die
Dunkelheit  halt  gebietet,  danert  das  Leben  und  Treiben  auf  den
Wogen  fort.  Selbst  im  Winter  herrscht  auf  dem  Rhein  ein  lebhafter
  Schiffsverkehr.  Nur  zur  Eiszeit,  wenn  die  treibenden  Schollen
ibnen  Gefahr  bereiten,  flüchten  die  Schiffe  in  die  Häfen.

Nicht  immer  war  es  so  auf  dem  Rheine.  Noch  im  Anfange
des  19.  Jahrhunderts  lag  das  Strombett  wüst  und  unbefahrbar
da.  Seine  Ufer  waren  ohne  Einfassung;  die  Wassertiefe  war  in
den  einzelnen  Strecken  gar  verschieden;  spitze  Felsen  schauten  keck
aus  den  Fluten;  tiefere  Felsbänke  durchquerten  den  Fluß;  Schiffmühlen
  lagen  im  Strome;  Ponten  sperrten  den  Weg;  zahlreiche
Schiffbrücken  hemmten  die  Fahrt;  Kiesmassen,  gesunkene  Holzstämme
  und  Steinblöcke  lagerten  auf  dem  Grunde.  Erst  nach  den
Befreiungskriegen,  als  die  Rheinprovinz  dem  Königreiche  Preußen
einverleibt  war,  begann  für  Deutschlands  schönsten  Strom  eine
bessere  Zeit.  Planvoll  und  tatkräftig  baute  die  preußische  Verwaltung
  das  Rheinbett  zu  einer  brauchbaren  Wasserstraße  aus.
Felsen  wurden  gesprengt  und  weggeräumt;  Schieferbänke  wurden
mit  schweren  Fallmeißeln  zerstampft;  Baggermaschinen  vertieften
die  Stromrinne;  Buhnen  wurden  eingebaut  und  Ufermauern  errichtet;
  alle  Hindernisse  der  Fahrt  wurden  bis  auf  wenige  Schiffbrücken
  entfernt.  Mehr  als  20  Millionen  Mark  kosteten  diese  Arbeiten.
  Die  geringste  Mittelwasserbreite,  bei  Bingen,  beträgt  heute
230  m,  die  geringste  Tiefe  des  Fahrwassers  2  m.  Zur  Verwaltung
der  Rheinstrombauten  wurde  einc  besondere  Behörde  eingesetzt.

So  ist  der  Rhein  unter  der  Fürsorge  der  preußischen  Könige
zu  der  bedeutendsten  Verkehrsstraße  zwischen  Nord=  und  Süddeutschland
  ausgebaut  worden.  Wir  dürsen  es  als  Zeichen  der  Dankbarkeit
  betrachten,  daß  eine  große  Anzahl  der  Rheinschifse  ihre
Namen  von  den  ruhmrcichen  Zollernfürsten  und  unsern  größten
Staatsmännern  entlehnt  hat.

199.  Der  Ruhrorter  Hafen.  Von  Karl  Kollbach.

Der,  wo  die  Ruhr  sich  in  den  Rhein  ergießt,  liegt  das  gewerbreiche
  Ruhrort,  das  mit  Duisburg  und  Meiderich  zu
einer  Stadt  vereinigt  ist.  Ruhrort  besitzt  den  gröhten  Flußhafen
  Europas.  Der  Hafen  ist  ein  grobes,  künstlich  erweitertes
Wasserbeden  des  Rheines.  In  erster  Linie  dient  er  der  Aus-