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200.  Die  Entwicklung  der  niederrheinischen  Seidenund
  Samtindustrie.  Von  Friedrich  Brücker.

Der  Hauptort  der  niederrheinischen  Seiden=  und  Samtindustrie  ist
Crefeld.  Das  Verdienst,  diese  wichtige  Industrie  am  Niederrhein
  eingeführt  zu  haben,  gebührt  der  Familie  von  der  Leyen.
Heinrich  von  der  Leyen  wanderte  vor  ungefähr  250  Jahren  aus
Radevormwald  in  Crefeld  ein  und  erwarb  hier  1668  das  Bürgerrecht.
  Sein  Sohn  Adolf  gründcte  eine  Nähseide=  und  Samtbandfabrik.
  Das  noch  vorhandene  erste  Geschäftsbuch  dieses  Kaufmanns
enthält  auf  der  ersten  Seite  die  Worte:

„Gott  verleihe  seinen  Segen  zu  einem  glücklichen

Anfang  und  gottseligen  Ausgang.“
Während  Adolf  die  berühmten  Messen  zu  Straßburg  und  Frankfurt
besuchte,  zog  sein  Sohn  Wilhelm  als  einfacher  Hausierer,  den  Tragkorb
  auf  dem  Rücken,  von  Ort  zu  Ort,  um  seine  Waren  feilzubieten.

Im  Jahre  1721  gründeten  die  Nachkommen  Wilhelms  die  erste
Samtfabrik  in  Crefeld.  Wenige  Jahre  später  wurde  eine  eigene
Seidenfärberei  angelegt.  Die  rührige  Tätigkeit  der  Crefelder  Handelsherren
  fand  bei  der  preußischen  Regierung  Aufmunterung  und
Unterstützung.  Sowohl  Friedrich  Wilhelm  I.  wie  auch  sein  großer
Sohn  Friedrich  II.  haben  bei  ihrer  Anwesenheit  in  Crefeld  das
Handelshaus  von  der  Leyen  besucht  und  sich  anerkennend  über  seine
Erzeugnisse  ausgesprochen.

Friedrich  der  Große  stattete  die  Firma  mit  manchen  Vorrechten
aus.  Am  3.  Juni  1757  erhielt  die  Crefelder  Stadtverwaltung  die
Königliche  Anweisung:  „Die  Fabrikanten,  Kaufleute  und  Handwerksleute,
  und  was  mit  ihnen  zusammenhängt,  auf  die  allerbeste  Weise
zu  behandeln  und  ihnen  den  Aufenthalt  in  Crefeld  auf  alle  Weise
erträglich  zu  machen.“

Trotzdem  das  Haus  von  der  Leyen  das  alleinige  Recht  zur
Herstellung  gewisser  Samt=  und  Seidenwaren  erstrebte,  konnte  es
nicht  verhindern,  daß  allmählich  auch  andere  Kaufleute  sich  dem  einträglichen
  Geschäfte  zuwandten.  Ja,  mancher  einfache  Weber  fing
an,  auf  eigene  Rechnung  zu  arbeiten.  Aus  solch  kleinen  Anfängen
sind  viele  angesehene  Crefelder  Handelshäuser  hervorgegangen.  Der
preußische  Minister  Hermann  von  Beckerath  sagte  einst,  daß  seine
Wiege  neben  dem  Webstuhl  seines  Vaters  gestanden  habe.

Immer  zahlreicher  und  ausgedehnter  wurden  die  Betriebe;
Crefeld  wurde  eine  richtige  Weberstadt.  In  den  saubern  Arbeiter-