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häusern  stand  der  Webstuhl  in  der  blaugetünchten  Stube,  oft  auch
mehrere  „Stühle“  nebeneinander.  Tüchtige  Meister  hielten  sich  Gesellen
  und  Lehrlinge,  ja  selbst  die  Hausmutter  mit  ihren  erwachsenen
Töchtern  verbrachte  einen  großen  Teil  des  Tages  hinter  dem  Webstuhl.
  Lustig  klapperte  der  Rahmen  sein  „Schickschack“.  Von  flinker
Hand  geschleudert,  surrte  das  Webschisslein  durch  die  ausgespannten
Fäden.  In  der  Stubenecke  saß  der  Spuljunge  und  ließ  sein  Rädchen
schnurren.  Während  die  rechte  Hand  das  Rad  drehte,  glitt  der  feine
Seidenfaden  zwischen  Daumen  und  Zeigefinger  der  linken  Hand  von
der  „Bobine“  auf  die  surrende  Spule.

Die  Kaufleute  ließen  sich  die  Heranbildung  eines  tüchtigen
Weberstandes  angelegen  sein,  nicht  nur  in  Crefeld  selbst,  sondern.
auch  in  der  näheren  und  ferneren  Umgebung.  In  jedem  Dorfe  der
Crefelder  Gegend,  ja  bis  tief  ins  Gelderland  hinein,  klapperten
die  Webstühle  hinter  den  blanken  Feustern  der  Weberwohnungen.
„Werkmeister“  kamen  von  Zeit  zu  Zcit  aufs  Land,  um  die  Arbeit  zu
prüfen  und  neue  Kräfte  zu  gewinnen.  Besonders  in  den  siebziger
Jahren  stieg  die  Industrie  ins  Riesenhafte.  Schon  früher  hatten
sich  Rohseidenhändler  in  Crefeld  niedergelassen  und  so  zum  Aufschwung
  des  Geschäftes  beigetragen.  Talentvolle  junge  Leute  sandte
man  nach  Lyon  und  Zürich,  damit  sie  Neuerungen  und  Kunstgriffe
in  Weberei  und  Färberei  kennen  lernten  und  dann  in  der  Heimat
verwerteten.  «

Von  besonderer  Bedentung  für  die  Crefelder  Industrie  war
der  Aufschluß  des  Marktes  in  England  und  Nordamerika.  Früher
hatten  die  Franzosen  die  Märkte  dicser  Länder  allein  beherrscht
und  auch  den  Handel  für  Crefeld  besorgt.  Nun  aber  sandte  man
selbst  Leute  in  diese  Länder,  um  Geschäftsverbindungen  anzuknüpfen.

Im  Jahre  1878  wurde  eine  Kommission  von  Crefelder  Kaufleuten
  und  höheren  Beamten  des  preußischen  Unterrichtsministeriums
ins  Ausland  geschickt,  um  die  Fachschulen  verschiedener  Länder  zu
besichtigen.  Kurze  Zeit  darauf  wurde  die  Königliche  Webeschule  in
Crefeld  gegründet  und  ein  stattlicher  Bau  im  Südwesten  der  Stadt
der  Schule  als  Heim  zugewiesen.  In  dieser  Schule  wurden  durch
Vorträge  und  praktische  Arbeit  Werkmeister,  Musterzeichner  und
Fabrikanten  ausgebildet.

Die  später  angegliederte  Färberei=  und  Appreturschule  unterrichtete
  Färber,  Bleicher,  Zeugdrucker  und  Appreteure  in  der  Herstellung
  der  Farbstoffe  und  in  der  Untersuchung  und  Wertbestimmung
gefärbter  Stoffe.  Die  Schule  gehört  zu  den  bedeutendsten  derartigen
Anstalten  der  ganzen  Welt.