—  305  —

derte  Preis  war  der  Frau  aber  zu  hoch.  Die  Soldaten  brachten  das
Bildchen  ihrem  Leutnant,  der  in  Kempen  als  Kriegsgefangener  weilte.
Uun  hatte  der  Mann  der  Frau  Buschmann,  durch  eine  wunderbare
Erscheinung  bewogen,  den  Plan  gefaßt,  auf  der  Nevelaerer  heide  an
Stelle  eines  Kreuzes  ein  Heiligenhäuschen  zu  bauen;  die  Frau  hatte  im
Traum  ein  Bild,  gleich  dem,  das  die  Soldaten  gehabt,  in  einer  lichtumstrahlten
  Kapelle  gesehen.  Beides  trieb  die  frommen  Teute,  dem
Rürzlich  verschmähten  Bilde  nachzuforschen.  Sie  erkundeten  bald  seinen
Kufenthaltsort,  und  der  Leutnant  trat  ihnen  das  Bild  gern  ab.

Weil  das  heiligenhäuschen  noch  nicht  fertig  war,  bewahrte  Buschmann
  das  Bild  in  seinem  hause  auf.  Kber  schon  begann  ein  bedeutender
  Sulauf  zu  dem  Bilde;  die  Unruhe  in  seinem  hause  wurde  Buschmann
beschwerlich,  und  deshalb  trug  er  es  in  die  benachbarte  Mapuzinerkirche.
Nun  strömte  das  Volk  dorthin;  da  forderten  die  Datres  Buschmann
auf,  das  Bild  wieder  wegzunehmen.  Mittlerweile  war  das  heiligenhäuschen
  vollendet;  Buschmann  trug  das  Bild  zum  Dfarrer  von  Uevelaer,
  der  es  am  letzten  Tage  des  Maimonats  1642  ganz  still  im  neu
gebauten  Häuschen  aufstellte.  Wie  ein  Lauffeuer  verbreitete  sich  indes
die  Kunde  davon,  und  schon  am  folgenden  Uage  fanden  sich  zahlreiche
Besucher  ein.  Ihre  sahl  vergrößerte  sich  von  Tag  zu  Tag,  um  so
mehr,  als  schon  von  verschiedenen  wunderbaren  heilungen  erzählt
wurde,  die  dort  geschehen  sein  sollten.  Als  die  Wallfahrten  sich  mehrten,
  forderte  der  Dfarrer  den  Buschmann  auf,  das  Bild  wieder  wegzunehmen,
  da  er  diesen  Zulauf  von  Fremden  in  seiner  HPfarrei  nicht
wolle.  Schweren  herzens  brachte  Buschmann  das  Bild  wieder  zu  den
Kapuzinern  nach  Geldern,  wo  es  drei  Wochen  verblieb.  Kber  auch
diesen  war  der  Andrang  der  Volksmenge  unheimlich,  und  sie  verlangten,
  daß  das  Bild  wieder  an  den  Ort  seiner  Bestimmung  gebracht
würde.  So  kam  es  zum  zweiten  Male  nach  Kevelaer,  wo  es  heute
noch  steht.

Seit  dem  Jahre  1642  haben  die  Wallfahrten  zu  dem  Bilde  nicht
aufgehört.  Schon  1643  fing  man  an,  eine  neue  Nirche  zu  bauen,  da
die  kleine  Dorfpfarrkirche  dem  Bedürfnisse  nicht  genügen  konnte.  1654
errichtete  man  über  dem  heiligenhäuschen,  das  in  seiner  ursprünglichen
Gestalt  bis  auf  den  heutigen  Tag  erhalten  ist,  die  jetzige  sechseckige
Gnadenhapelle.  Kevelaer  entwichelte  sich  zu  einem  der  besuchtesten
Wallfahrtsorte  des  Uiederrheins.  Uachdem  es  im  Jahre  1713  an  die
preußische  Krone  gekommen  war,  besuchte  schon  im  folgenden  Jahre

Lelebuch  für  Cberklasten.  D.  20