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203.  Der  Dom  zu  Cöln.

Mit  Bewunderung  und  Ehrfurcht  verweilt  der  Fremde,  der  nach

Cöln  kommt,  vor  dem  gewaltigen  Dom.  Gedankenvoll  lätßt
er  die  Blicke  zu  dem  erhabenen  Gotteshause  von  ungeheurer
Größe  emporschweilen.  Ist  es  des  Gebäudes  Hõhe  und  Ausdehnung
  allein,  die  ihn  fesseln?  Nein.  Der  Dom  redet  zu  ihm
in  schlichter,  aber  inhaltvoller  Sprache.

Die  wolkenhoch  ragenden  Türme  und  Türmchen  weisen  himmelan.
  Tausend  Spitzbogen  in  Fenstern,  Türen  und  Gewölben
streben  hinauf  zu  lichteren  Höhen.  Die  zahllosen  Krabben  der  Giebelschenkel
  scheinen  emporzuklettern  zu  Gottes  blauem  Reich.  Die
Strebepfeiler  an  den  Seiten  stützen  den  Mittelbau  in  seinem  bimmelwärts
  gerichteten  Streben.  Jedes  Glied  an  dem  großen  Bau
weist  hinauf,  wie  es  die  Stämme  des  Fichtenwaldes  tun.  Die  Säulen
im  Innern  gleichen  riesigen  Baumstämmen,  und  die  Cewölbe  darauf
erinnern  an  die  Baumkronen.  Der  Bau  zicht  des  Menschen  Herz
mit  sich  empor  und  zeigt  ihm  die  ewige  Heimat.  Steinerne  Kreuzblumen
  auf  den  Spitzen  der  Giebel,  Strebepfeiler  und  Türme  mahnen
uns  daran,  daß  der  Weg  zum  ewigen  Heile  durch  das  Kreuz  führt.

Besonders  an  Nachmittagen,  wenn  die  Strahlen  der  Abendsonne
  durch  die  bemalten  Fenster  fallen  und  ibr  bunter  Schein
über  die  grauen  Säulen  zieht,  wenn  die  Klänge  der  Orgel  bald
wie  Sturmeswehen,  bald  wie  Engelstimmen  durch  die  weiten  Hallen
klingen  und  dann  allmählich  die  Dämmerung  hereinbricht  und  die
stillen  Räume  ins  Unendliche  und  Unbestimmte  verschwimmen,
dann  erscheint  der  Dom  wahrhaftig  wie  ein  Abbild  der  Unendlichkeit,
  wie  ein  rechter  Tempel  Gottes.

Mehr  als  600  Jahre  liegen  zwischen  Anfang  und  Ende  der
Erbauung  dieses  Wunderwerkes  der  gotischen  Baukunst.  lm  Jahre
1242  wurde  durch  Erzbischof  Konrad  von  Hochstaden  der  Grundstein
  gelegt.  Viel  Geld  war  nötig  zu  dem  Bau  von  135  m  Länge,
61  m  Breite,  61  m  Chorhöhe  und  160  m  Turmhöhe.  Konrad  gab
sein  ganzes  Vermögen  dazu  her.  Wallfahrer  legten  Gaben  am
Schreine  der  hl.  drei  Könige  nieder,  die  im  Dome  begraben  liegen.
Ungefähr  80  Jahre  nach  der  Grundsteinlegung  konnte  das  Chor
eingeweiht  werden.  Leider  folgten  bald  kriegerische  Zeiten.  Die
Bauspenden  blieben  aus.  Zur  Zeit  der  Kirchenspaltung  stockte
der  Bau  völlig.  Mehr  als  21  Jahrhunderte  lang  wurde  kein  Stein