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aber  nicht  die  gewöhnlichen  Buchstabenformen,  sondern  eine  eigenartige
Punktschrift.  An  der  Wand  hangen  Candkarten  und  Stadtpläne,  die
auch  erhaben  gearbeitet  sind.  Die  Städte  sind  auf  der  Karte  durch
mehr  oder  minder  große  Nadelköpfe,  die  Eisenbahnen  durch  Draht,
die  Gebirge  durch  Erhebungen,  die  Flüsse  durch  Einschnitte  dargestellt.

Dem  Knschauungsunterrichte  oder  besser  Tastunterrichte  dienen
zahlreiche  kleine  Modelle.  So  lernen  die  Kinder  Tierhunde  an  hölzernen
  Löwen,  Elefanten,  Pferden,  Kdlern,  Tauben.  Die  blinden  Ninder
können  aber  nichts  nachzeichnen  —  sie  müssen  alle  diese  Dinge  in
Ton  formen.  Uber  die  Erschelnungen  des  täglichen  Lebens  werden
sie  durch  Betasten  kleiner  Eisenbahnen,  Windmühlen,  Kanonen  und
anderer  Dinge  unterrichtet.

Der  Beruf  eines  Blindenlehrers  ist  schwer,  aber  überaus  schön
und  segensreich.  Schwer  ist  er,  weil  er  unendlich  viel  Geduld  und
Sanftmut  verlangt,  schön,  weil  er  herrlichen  Lohn  bringt  durch  das
Bewußtsein,  mitarbeiten  zu  dürfen  im  Kampfe  gegen  das  Unglück,
im  Dienste  der  Ciebe.

206.  Das  Siebengebirge.  Von  Karl  Kollbach.
Am  belebten  Landungsplatze  von  Königewinter  verlassen  wir  das

Schiff,  um  das  Siebengebirge  zu  besuchen.  Zuerst  wenden  wir
uns  dem  Drachenfels  zu.  Es  ist  dem  bequemen  Reisenden  leicht
gemacht,  den  Gipfel  zu  erreichen.  Ein  Schwarm  von  Wagen  harrt
seiner,  und  lockend  schallt  ihm  der  ermunternde  Zuruf  der  Kutscher
entgegen.  Die  Zahnradbahn  weist  ihm  einen  andern,  näheren  und
billigeren  Weg;  auch  stehen  Pferde  und  Esel  gesattelt  bereit.  Den
rüstigen  Menschen  mit  gesunden  Gliedern  aber  erfreut  am  meisten
der  kurze  Aufstieg  zu  Fuß;  denn  wechselvoll  steigt  gleich  hinter  der
Stadt,  anfangs  durch  Weinberge,  hernach  durch  Wald  und  an  jähen
Felswänden  vorbei,  der  Pfad  zum  ragenden  Gipfel.  Hier  breitet
sich  der  schönste  Teil  aus  dem  reichen  Zaubergarten  der  Rheinlande
um  uns  aus.

Das  breire  Rheintal  zu  unsern  Füßen  schaut  wie  ein  blühender
Garten  herauf;  still  und  feierlich,  in  blinkendem  Lichte,  zieht  der
Rhein  hindurch.  Die  großen  Schiffe  auf  seinem  Spiegel  mit  all
ihren  Menschen  und  ihren  Lasten  sehen  von  hier  nur  wie  Spielzeng
ans.  Nach  der  einen  Richtung  hin  liegt  die  Eifel  mit  den  grünenden
  Weinbergen  am  Rande  des  Rheintales.  Fernher  ragen  über
ihre  wellenförmigen  Hochrücken  stolze  Häupter  erloschener  Vulkane
aus  der  Gegend  des  Lnacher  Sees  auf.  Ein  gleich  gestalteureiches
Bild  bietet  rechts  vom  Rhein  der  vordere  Westerwald  mit  seinen