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Herr  des  Weinbergs  betrachtet  es  heute  als  eine  wichtige  Aufgabe,
  darauf  zu  achten,  ob  dieses  Geschäft  des  Beerenraffens
auch  wirklich  ausge  führt  wird.  Dies  hindert  aber  nicht,  daß  sich
die  Leser  allerlei  lustige  und  schaurige  Geschichten  erzählen
oder  durch  Anstimmen  fröhlicher  Lieder  die  Arbeit  fördern.
Von  Zeit  zu  Zeit  ein  Träublein  zu  kosten  ist  ihnen  auch  nicht
verwehrt.  Hin  und  her  wandelt,  auf  einen  Weinbergspfahl  gestützt,
  der  „Legelträger“;  auf  seinem  Rücken  trägt  er  an  ledernem
  Riemen  das  hölzerne  Legel,  in  das  die  Trauben  aus  den
kleinen  Eimern  und  Bütten  unaufhörlich  hineingeschüttet  werden.
  Vor  dem  Weinberge  steht  über  einer  groben  Bütte  die
Traubenmühle,  einer  riesigen  Kaffeemühle  nicht  unähnlich;  in
diese  entleert  der  Legelträger  seine  Last.  Da  liegen  sie  dann,
die  gelben  und  die  roten,  die  blauen  und  die  weißen  Früchte.
Aber  hüte  dich,  schöns  Träubelein!  Die  Mühle  wird  gedreht,
und  in  kurzer  Frist  ist  alles  zerquetscht  und  in  einen  häßlichen
Brei  verwandelt,  der  von  einer  süßen  schmutzigtrüben  Brühe
umgeben  ist.  An  wenigen  abgelegenen  Orten  werden  noch  nach
alter  Vätersitte  die  Trauben  in  einer  Tretbütte  von  einem
Tretbuben,  der  in  mächtigen  Stiefeln  steckt,  2ertreten.  Jet
erscheint  auch  der  Fuhrmann  mit  dem  Ladfasse;  mit  Kübeln
wird  die  Traubenernte  dahineingeladen  und  nach  Hause  zur
Kelter  gefahren.  ·

Unterdessen  herrscht  im  Weinberg  emsige  Arbeit  und
fröhliches  Leben,  bis  der  Schall  der  Mittagsglocke  aus  dem
Städtchen  herübertönt;  dann  ruht  für  eine  Stunde  die  Arbeit,  und
die  ganze  Gesellschaft  begibt  sich  an  den  ehrwürdig  bemoosten
Steintisch,  der  sich  an  einer  freigelegenen  Stellc  befndet.  Das
Städtchen  liegt  uns  zu  Füßen,  zwischen  die  Berge  geschmiegt;
weiße  Landhäuser  leuchten  von  den  Abhängen,  und  verfallene
Burgruinen  stredten  ihre  Turmstümpfe  zum  Himmel.  Drunten
glänzt  der  prächtige  Strom.  Von  allen  Bergen  in  der  Runde
schallt  Gesang,  Lachen  und  fröhliches  Jauchzen;  hier  und  da
fadeert  auch  ein  Feuerchen  auf.  Das  gehört  einmal  dazu.  Die
Kinder  des  Hauses,  die  anfangs  fleißig  mitlasen,  jedes  seine
Zeile,  dachten  das  auch  und  haben,  statt  weiter  zu  lesen,  lieber
eine  andere  Arbeit  unternommen:  sie  haben  reichlich  die  zu  kurzen
  oder  unbrauchbar  gewordenen  Weinbergspfähle  zusammengesucht,
  von  den  Planken  die  jetzt  nutzlos  gewordene  Dornenverzäunung
  abgerissen,  das  Heftstroh  von  den  Weinstöcken
geschnitten  und  allerlei  anderes  Brennbarc  aufgetricben,  und
nun  flammt  bald  ein  behagliches  hohes  Feuer  in  die  sonnige