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Oktoberluft.  Sobald  es  etwas  zusammengesunken  ist,  wird  ein
Kessel  mit  Wasser  drangeschoben  und  ein  magenwärmender
Kaffee  bereitet,  dem  die  Leserinnen  sogar  vor  dem  Wein  den
Vorzug  geben.  Der  Flurschütz  erscheint  auch,  und  noch  mancherlei
  Freunde  stellen  sich  ein.  Der  Steintisch  wird  nicht  leer  von
Flaschen  und  Gläsern  und  allerlei  kaltem  Imbiß;  auch  Tassen
und  Kuchen  fehlen  nicht.  Wer  aber  Trauben  essen  will,  der
geht  zu  den  Lesern  und  schneidet  sich  nach  Herzenslust.  Nur
wer  von  den  noch  am  Stock  hangenden  Trauben  einzelne  Beeren
  abzupft,  gilt  als  Näscher  und  wird  vom  Herrn  des  Weinbergs
  scheel  angesehen.  Die  Hausfrau  bat  inzwischen  sorgsam
einen  großen  Korb  voll  der  schönsten  Trauben  geschnitten  zum
Aufbewahren  bis  tief  in  den  Winter  hinein  oder  zum  Ver-Sschicken
  an  auswärts  wohnende  Freunde.  Die  Knaben  sind  auf
die  Mandelbäume  geklettert,  die  man  hier  und  da  im  Weinberge
  duldet,  weil  ihr  dünnes  Laub  nicht  viel  Schatten  wirft
und  also  den  Trauben  die  Sonne  nicht  sonderlich  wegnimmt.
Die  Mandeln  hangen  jetat  lose  in  der  grünen  Schale,  der  „Kolte“,
ein  Zeichen,  daß  sie  reif  sind;  unter  Jubel  werden  sie  von  den
Knaben  mit  langen  Stangen  heruntergeschlagen  und  in  Säcke
gesammelt.

Aber  die  Oktobertage  sind  kurz.  Immer  häufiger  hört
man  den  Herrn  verweisend  sagen:  „Da  hat  schon  wieder  jemand
  eine  hangenlassen!  Da  ist  ein  ganzer  Stock  übersprungen!
  Da  sind  die  Beeren  nicht  gerafft!“  —  „Wir  wollen  lieber
aufhören!"  sagt  er  auf  einmal;  „es  wird  zu  dämmerig:  Feierabend,
  ihr  Leutel“  —  „Feierabend!“  schallt  es  fröhlich  zurücke,
und  wiederum  sammelt  sich  die  ganze  Gesellschaft  am  alten
Steintische  zum  vergnüglichen  Feierabendtrunke;  gar  manches
Mal  werden  die  Gläser  gefüllt  und  immer  wieder  leer.  Das
Feuer  wird  aufs  neue  geschürt,  und  secin  knisterndes  und  loderndes
  Aufflammen  antwortet  auf  die  zahllosen  Herbstfeuerchen,
  die  in  weiter  Runde  aufblitzen.  Einer  der  Leser,  ein  lustiger
  Bursch,  der  bei  der  Garde  gedient  hat  und  den  ganzen  Tag
schon  durch  seine  Schnurren  die  andern  erheiterte,  hat  eine
Harmonika  mitgebracht;  damit  begleitet  er  nun  die  Lieder  vom
Morgenrot,  Morgenrot!  oder  vom  grünen  Klee  und  weißen
Schnce,  und  was  da  alles  gesungen  wird;  plötzlich  aber  geht  er
in  eine  Tanzwoeise  über,  und  siehe  da,  die  anscheinend  so  müden
  Beine  fühlen  sich  zauberisch  angeregt,  und  in  munterm
Reigen  hüpft  alt  und  jung  im  Kreise  um  den  Steintisch.  Zum
Abschiede  —  es  ist  nun  völlig  Nacht  geworden  —  brennt  der