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kommen  der  Wenden  wohnen  noch  heute  im  Spreewalde  und
haben  die  väterliche  Sprache,  Tracht  und  Sitte  treu  bewahrt.

Da  die  ganze  Gegend  von  zahllosen  Flußarmen  und  künstlichen
  Kanälen  durchzogen  wird,  so  müssen  die  Bewohner  des
Spreewaldes  alle  Ausflüge  und  Besuche  in  Kähnen  abmachen,
die  sie  geschickt  ohne  Ruder  und  Steuer  mit  einer  langen
Stange  durch  das  Wasser  fortbewegen.  In  ernstem  Schweigen
folgen  auf  Kähnen  die  Leidtragenden  der  Leiche  eines  Verstorbenen,
  die  im  Kahne  zum  Gottesadter  gebracht  wird.  Der
Förster  besucht  zu  Kahn  sein  Revier,  verfolgt  zu  Kahn  den
Holz-  und  Grasdieb  und  fährt  im  Kahne  zur  Jagd.  In  Kähnen
wird  die  Ernte  heimgeholt,  und  die  Kinder  fahren  in  Kähnen
zur  Schule.  Im  Winter,  wenn  das  Eis  kaum  hält,  schnallt  sich
jeder  Schlittschume  an.  Das  alte  Mütterchen,  das  sich  Holz
Sammelt,  der  Holzhauer.  der  Förster,  Männer,  Weiber  und  Kinder,
  alle  gleiten  dann  über  die  spiegelblanken  Eisbahnen  dahin.

Der  Fremde,  der  zur  Sommerzeit  diese  Gegend  besucht,
hat  einen  reichen  Genuß.  Die  langschaktigen  Erlen,  die  alten
Buchen  und  Eichen,  die  die  User  umsäumen,  bieten  in  der
Sommerschwüle  erquickenden  Schatten  und  spiegeln  ihr  dunkles
Laub  in  dem  klaren  Wasser.  Unter  einem  Laubdache  gleitet
das  Fahrzeug  bei  fröhlichem  Gesange  sanft  dahin.  Die  unbe-Kannten
  Ausflügler  winken  sich  freundlich  zu  und  blicken  verwundort
  auf  all  die  Kähne,  die  in  märchenhaftem  Halbdunkel
des  Waldes  auftauchen  und  verschwinden.  Und  wenn  nun  gar
der  Abend  hereinbricht  und  der  Mond  sein  blasses  Licht  durch
das  Laub  der  Bäume  wirft,  dann  ist  der  Anblick  ganz  zauberhaft.

An  den  Flußarmen  klappern  zahlreiche  Mühlen.  Auf  kleinen
natürlichen  Erhöhungen  liegen  im  Schatten  mächtiger  Eichen
freundliche  Häuser.  Gleich  kleinen  Burgen  sind  sic  mit  Gräben
rings  umschlossen,  und  ein  kleiner  Seitenkanal  führt  zu  den
natürlichen  Wasserstraßen.

Die  meisten  Bewohner  des  Spreewaldes  betreiben  Fischfang.
  Viechzucht  und  Gartenbau.  Es  gibt  im  Spreewalde  große
Karpkfenteiche,  die  jährlich  bis  zu  10  000  kg  Fische  liefern.  Die
Viehzucht  wird  insbesondere  durch  den  üppigen  Graswuchs  der
Wiesen  gefördert,  und  für  den  Gartenbau  ist  der  schlammige
Boden  sehr  geeignet.  In  Lübbenau  halten  oft  200  bis  300
Kähne,  die  die  Erzeugnisse  des  Gartenbaues  zusammenbringen.
Von  diosem  Orte  allein  wurden  in  einem  Jahre  360  000  kg.
Gurken,  80000  kg  Zwiebeln  und  400000  kg  Gemüse  mit  der
Eisenbahn  versandt.