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222.  Auf  einem  großen  Panzerschiff.  von  W.  Kole.

et  dich,  lieber  Leser,  am  Kieler  Hafen  in  eins  der  kleinen
Mietboote  und  laß  dich  nach  dem  großen  grauen  Kriegsschiff
  hinüberrudern!  Ein  Bootsführer  sagt  dir,  es  sei  das
Linienschiff  „Nassau“,  die  erste  deutsche  „Fürchtenichts“,  und
die  Besichtigung  sei  jetzt  um  die  Mittagszeit  gestattet.  Das
Boot  legt  bei  der  Schiffstreppe  an  der  linken  Seite  „Backbord“
an;  die  rechte,  „Steuerbord",  ist  nur  für  Offiziere.  Kurz  vor
dem  Anlegen  hast  du  vom  Schiff  her  einen  lauten  Ruf  gehört:
„Zivilboct  an  Badrbord.“  Es  ist  Sitte,  daß  jedes  ankommende
Boot  „gemeldet“  wird.

Oben  auf  der  Schiffstreppe,  dem  „Fallreep“,  steht  der  „wachhabende
  Offizier“,  fragt  dich  nach  deinem  Begehr  und  gibt  dir
einen  Matrosen  mit,  der  dich  umherführt.  Ihr  beginnt  am  Ende
des  Schiffes,  am  Heck,  wo  die  Kriegsflagge  lustig  flattert.  Da
stehst  du  auf  dem  „Achterdeck“.  Das  ist  ein  großer  freier
Platz,  etwa  40  m  lang  und  25  m  breit.  „Hier  geht's  oft  lustig
zu“,  erklärt  dir  der  Matrose;  „hier  verbringen  die  Offiziere  bei
schönem  Wetter  ihre  Ruhezeit.“  Hier  finden  die  Gesellschaften
  und  Bordbälle  statt.  —  Am  vorderen  Abschluß  des  Achterdecks
  steht  in  der  Mitte  und  an  den  Seiten  etwas  weiter  nach
vorn  je  ein  mächtiger  Geschützturm,  aus  dem  drohend  die  Mündungen
  zweier  riesigen  Kanonen  heraussehen.  Oder  hältst  du
ein  13  m  langes  Kanonemrohr,  dessen  Durchmesser  28  cm  beträgt,
  nicht  für  riesig?  Ihr  geht  in  den  Turm  hinein;  da  sieht
es  aus  wie  in  einer  Werkstatt.  Hunderte  von  Hebeln,  Ketten,
Sprachrohren,  elektrischen  Klingeln  und  andern  dir  unerklärlichen
  Dingen  siehst  du  um  dich  herum;  aber  alles  glänzt  und
blitzt  vor  Sauberkeit.  Plötzlich  ein  Ruck:  der  Matrose  hat  auf
einen  kleinen  Knopf  gedrückt,  und  der  ganze  Turm  mitsamt
den  Kanonen  und  dir  selbst  fängt  an,  sich  zu  drehen.  Der
Matrose  drückt  auf  einen  zweiten  Knopf  oder  dreht  an  einem
kleinen  Rad,  und  die  mächtigen  Kanonen  bewegen  sich  schnell
nach  oben  oder  unten.  Du  bist  starr  über  dies  Wunderwerk
und  vielleicht  noch  mehr  über  das  Hebewerk  für  die  Geschosse,
das  eine  Granate  nach  der  andern  im  Gewichte  von  300  kg
heraufspazieren  läßt.

Du  muhßt  dich  etwas  erholen,  dein  Kopf  ist  benommen:
darum  geht  der  mitleidige  Matrose  mit  dir  auf  den  achteren
Aufbau,  der  das  Achterdeck  nach  vorn  abschließt.  Ein  paar
Treppen,  und  du  stehst  auf  einem  luftigen  Platz,  8  m  über