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den  leuchtend  roten  Felswänden,  die  schroff  aus  der  Meeresflut
emporragen,  auf  die  grünen  Matten  und  Felder  des  Oberlandes
und  von  da  hinab  auf  den  glänzend  weißen  Sandstreifen,  der  sich
als  das  Unterland  an  die  Südseite  der  Felsenmauer  anschmiegt.
So  erkennen  wir  schon  von  weitem  die  Farben  Helgolands,  die  der
Bewohner  der.  Insel  in  seiner  niederdeutschen  Mundart  mit  den
Worten  zu  rühmen  pflegt:

Grün  ist  das  Land,

Rot  ist  die  Kantt,

Weiß  ist  der  Sand:

Das  sind  die  Farben  von  Helgoland.

Noch  weit  von  dem  Eilande  entifernt  senkt  der  Dampfer  die
Anker;  denn  die  um  die  Insel  gelagerten  unterseeischen  Felsenriffe
können  den  großen  Schissen  gefährlich  werden.  Der  rote  Tonsteinfelsen
  Helgolands  erhebt  sich  in  Gestalt  eines  nach  Norden  spitz
zulaufenden  Dreiecks  60  m  über  dem  Meere.  Steil  und  zackig
steigen  die  zerklüfteten  Inselwände  auf  und  entfalten  vom  Nordbis
  zum  Südhorn  ein  großartiges  Bild  von  der  zerstörenden  Macht
des  Meeres.  Hohe  Felsentore  gewähren  Einblick  in  ausgespütte
tiefe  Höhlen  und  Hallen;  der  schäumende  Gischt  der  Brandung
umspült  schlanke  Säulen  und  spitze  Bogen.  Mancherlei  Seevögel
nisten  in  den  für  Menschen  unerreichbaren  Klüfsten  und  umflattern
in  großen  Scharen  die  Felsensäulen.  Seeadler,  Möwen  und  Enten
sind  dort  ungestört;  selbst  Seehunde  tauchen  ungefährdet  aus  den
Wellen  auf,  um  sich  auf  einem  Felsenvorsprunge  zu  sonnen.

Nachen  und  Bovte  vermitteln  den  Verkehr  vom  Dampfschifs
zur  Insel.  Betritt  der  Reisende  das  Unterland,  so  gelangt  er  bald
durch  eine  dichte  Reihe  von  bunten  Schauläden  zu  einer  breiten
Treppe,  die  zu  dem  grünen  Rasenteppich  des  Oberlandes  hinaufführt.
  Droben  breitet  sich  ein  freundlicher  Ort  um  die  schmucklose
Kirche  aus.  Ihr  gegenüber  tritt  das  stattliche  Schulgebäude  mit
seinen  freundlichen  Blumengärten  hervor.  Mehr  landeinwärts  erhebt
sich  ein  neuer  Leuchtturm,  der  mit  seinem  wechselnden  Lichte  weit  in
die  See  hineinleuchtet  und  den  Schiffen  ein  untrüglicher  Wegweiser
zum  sichern  Hafen  ist.  Im  Oberland  wechseln  stattliche  Wohn=  und
Gasthäuser  mit  bescheidenen  Hütten  ab.  Hier  wohnen  im  Sommer
die  Badegäste  mit  besonderer  Vorliebe,  da  sie  auf  der  freien  Höhe
die  frische  Seeluft  am  besten  genießen  können.  Zum  Baden  fahren
sie  auf  Booten  zur  weißen  Düne,  die  dem  Unterland  weit  nach
Osten  hin  vorgelagert  ist.  An  20  000  Fremde  besuchen  jährlich  die
Insel,  um  sich  durch  die  erfrischenden  Seebäder  zu  stärken.