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236.  Auf  einer  westafrikanischen  Faktorei.
Von  Sranz  hutter.

In  innersten  Winkel  des  Golfes  von  Guinea  liegt  das  Kamerunland.

  Seit  Juli  1884  steht  es  als  Nolonie  unter  dem  Schutze  des
Deutschen  Reiches.  Deutsche  und  englische  Naufleute  haben  dort  handelsniederlassungen
  gegründet,  die  man  Faktoreien  nennt.  hier  stellen  sich
die  Eingeborenen  ein,  um  ihre  heimischen  Erzeugnisse  zu  verhaufen  und
dafür  Gegenstände  der  europäischen  Industrie  einzutauschen.  Die
Faktoreien  sind  daher  die  Marktplätze  der  afrikanischen  Kolonien  und
haben  eine  große  Bedeutung  für  handel  und  Verkehr.

Eine  Faktorei  umfaßt  ein  ausgedehntes  Erundstüch  mit  zahlreichen
  Gebäuden;  sie  kann  in  ihrer  Zulage  am  besten  mit  einem
größeren  deutschen  Bauerngehöft  oder  mit  dem  Vorwerk  eines  großen
Gutes  verglichen  werden.  Unter  den  Gebäuden  nimmt  das  Wohnhaus
die  erste  Stelle  ein.  Es  ist  luftig  und  leicht  gebaut.  Die  Grundmauern
sind  aus  Stein,  der  weitere  Kufbau  ist  aus  Holz  hergestellt.  Darüber
erhebt  sich  ein  leichtes,  gefälliges  Dach;  das  Ganze  ist  blendend  weiß.
Wenn  irgend  möglich,  baut  man  die  Wohnhäuser  der  Saktoreien
zweistöchig.  Das  Erdgeschoß  enthält  den  Laden,  das  Nontor,  kleine
Vorratsräume  für  wertvolle  Waren  und  den  kRühlen,  luftigen  Speisesaal.
  Im  ersten  und  zugleich  obersten  Stockwerh,  das  den  Weißen
nach  Erledigung  der  GEeschäfte  als  Zufenthaltsort  dient,  liegen  die
Wohn.,  Schlaf=  und  Gesellschaftsräume.  Um  das  ganze  haus  läuft
eine  breite  Deranda,  zu  der  Treppen  hinaufführen.  Zuf  diese  Deranda
münden  alle  Räume  des  ersten  Stoches;  die  Türen  sind  offen  oder  durch
helle  seidene  Vorhänge  ersetzt.  Hier  auf  der  Veranda  spielt  sich  fast  das
ganze  häusliche  Leben  in  den  Tropen  ab.  Daher  ist  sie  auch  mit
allen  nur  möglichen  Einrichtungen  für  die  Bequemlichheit  und  das  Wohlbefinden
  der  Bewohner  ausgestattet.  Kostbare  Felle  bedechen  den  Boden:
Sessel,  Sofas,  Schaukelstühle  und  hängemalten  laden  zum  Kusruhen
ein.  Halmen  und  andere  prachtvolle  Gewächse  zieren  die  Räume:
zahme  Eifschen  hüpfen  munter  an  den  Treppengeländern  auf  und  ab,
und  Graupapageien,  die  hier  heimisch  sind,  führen  ihre  bedächtigen
Kletterübungen  an  Uischen  und  Stühlen  aus.

Weitab  vom  Wohnhause  stehen  die  mächtigen  Lagerhäuser,  in
denen  dle  Schätze  des  Landes  aufgehäuft  sind,  die  die  Kaufleute  in
großen  Mengen  nach  Curopa  ausführen:  Elfenbein,  Ebenholz,  Uakao,
Kaffee,  Dalmöl,  Kopra,  Tabah,  Kautschun,  Kopalharz,  Kolanüsse,
Indigo,  Baumwolle  und  Mahagoniholz.  Kndere  langgestrechte  Bauten
  bergen  die  Kaufmannsgüter,  die  der  Dampfer  aus  Europa  zum
Derkauf  an  die  schwarzen  Bewohner  des  Landes  herbeigebracht  hat: