—  382  —

Wir  stehen  gerade  am  Eingang  zum  eigentlichen  Negerviertel
der  Stadt,  und  uns  umtosen  der  Lärm  und  das  Gewoge  der  Naturkinder,
  die  hier  durch  die  Europäer  zum  dichten  Zusammenleben
veranlaßt  sind.  Auch  hier  sanbere,  geradlinige  Straßen,  die  Läden
der  indischen  Kaufleute  mit  europäischen  Blech=  und  Eisenwaren,
aber  auch  mit  allen  Landeserzeugnissen,  Lebensmitteln,  Früchten
und  stark  dustenden  Gewürzen.  Die  schlimmste  aller  Marktwaren
aber  ist  für  europäische  Nasen  getrockneter  Haifisch,  den  die  Farbigen
als  Zukost  zu  ihrem  Hirse-,  Mais=  oder  Reisbrei  über  alles  lieben.
Man  riecht  dies  Genußmittel  durch  das  ganze  Haus  und  selbst  in
freier  Lust  auf  große  Entfernung  und  wendet  sich  schnell  mit  Grausen,
wo  es  einem  in  die  Augen  fällt.  Neben  den  Kaufläden  gibt  es
aber  auch  zahlreiche  Handwerker,  meist  indischer  Abstammung,  die
in  dem  offenen  Vorraum  ihrer  Häuser  oder  auf  der  Straße  selbst
ihre  Arbeit  betreiben.  Holzarbeiter,  Mattenflechter,  Töpfer,  besonders
geschickte  Silberarbeiter  sieht  man  vielfach  in  voller  Tätigkeit.

Die  Neger  wohnen  in  faubern  Lehmhütten,  die  mit  Rohr
oder  Palmblättern  gedeckt  sind.  Jedes  Haus  hat  eine  gedeckte  Vorhalle,
  auf  der  sich  das  Leben  der  Familie  zum  größten  Teil  abspielt
Die  Häuser  selbst  haben  keine  Fenster.  Der  Neger  liebt  die  Kühle
und  nimmt  das  Dunkel  mit  in  den  Kauf.  Seine  Geruchsnerven
sind  unempfindlich.  Gekocht  wird  auf  drei  Steinen  und  auf  einem
kleinen  Feuer,  dessen  Rauch  sich  den  Ausweg  durch  das  Geslecht  des
Daches  sucht.  Je  weiter  vom  Mittelpunkt  der  Stadt  entfernt,  desto
unordentlicher  und  leichter  wird  meist  der  Aufbau  der  Hütten,  weil
der  einzelne  dort  weniger  streng  überwacht  wird  und  sich  sofort  der
gewohnten  Sorglosigkeit  überläßt.  Solche  einzeln  stehende,  oft  nur
aus  dünnen  Bambusstäben  bestehende  Hütten  umschleicht  dann  nachts
der  Löwe,  wirft  sich  mit  seinem  Körpergewicht  auf  das  Dach,  bricht
mit  diesem  nieder  und  schlägt  die  im  Schlafe  überraschten  Menschen,
meist  Frauen  und  Kinder,  mit  tödlicher  Sicherheit.  Auf  diese  Weise
fallen  dem  Löwen,  der  sich  in  den  Tropen  nicht  durch  besondere  Tapferkeit
  auszeichnet,  so  manche  Menschenleben  zum  Opfer,  und  das
Tier  ist  trotz  eifriger  Nachstellungen  schwer  zur  Strecke  zu  bringen.

Den  Mittelpunkt  des  geschäftlichen  Lebens  für  die  Farbigen
bildet  die  Markthalle,  in  der  alle  Lebensmittel,  die  von  auswärts
in  die  Stadt  gebracht  werden,  feilgeboten  werden  müssen.  Hier
sind  die  Stände  der  Fleischer,  der  Gemüse=  und  Fruchthändler,  hier
werden  Fische,  Getreide  und  Geflügel  verkauft.  Da  das  meiste  versteigert
  wird,  der  Neger  aber  seine  besondere  Freude  am  lautesten
Lärm  und  tobenden  Durcheinander  hat,  so  kann  man  sich  das
Marktleben  dort  nicht  bunt  genug  vorstellen  und  darf  sich  nicht