—  384  —

mit  lieben  Genossen  unter  dem  vollen  Eindruck  der  so  gewaltigen
Tropennatur  knüpfen  den  Europäer  mit  festen  Ketten  an  das  Leben
in  den  Tropen  und  hinterlassen,  wenn  er  zur  Rückkehr  in  die  nordische
  Heimat  genötigt  ist,  eine  unauslöschliche  Sehnsucht  nach  dem
Palmengestade,  dem  silbern  glänzenden  Meer  und  dem  sich  endlos
dehnenden,  von  keiner  Wolke  bedeckten  Himmelsgewölbe.  Lebe
wohl,  du  Hafen  des  Friedens!  Auch  ich  hoffe  dich  dereinst  noch
wiederzusehen.

238.  Eine  Kaffeepflanzung  in  Deutsch-Ostafrika.
Von  Walter  Trittelos#.

ch  ritt  durch  den  regenfeuchten  Urwald  des  „Usambaragebirges.

An  den  Vergwänden  empor  drängten  sich  Stamm  an  Stamm
die  Riesenbäume  und  verflochten  ihre  Aste  ineinander,  als  wollten
sie  sich  gegenseitig  halten.  Dichtes  Gebüsch  wucherte  am  Boden.
Weiße  Blüten,  rote  Glöckchen  leuchteten  über  den  dunkeln  Blättern.
An  den  Bäumen  kletterten  Schlinggewächse  hinauf  und  zogen  um  die
Wipfel  einen  grünen  Schleier.  In  der  Tiesfe  rauschte  über  Felsblöcke
ein  Bergbach.  Leicht  slog  ich  den  bequemen  Weg  entlang,  der  durch
ein  Seitentälchen  nach  dem  andern  sich  windet.  Verirren  konnte  ich
mich  nicht,  benn  auf  Stunden  ringsum  gab  es  nur  diesen  einen
Pfad  durch  die  Wildnis.  Doch  plötzlich  hielt  mein  Pferd  an.  Der
Weg  gabelte  sich.  Welche  Richtung  sollte  ich  einschlagen  Da  entdeckte
  ich  ein  an  einen  Stamm  genageltes  Brett  und  las  darauf  die
Inschrift:  „Pflanzung  B.“  Dorthin  gerade  wollte  ich.  Ich  folgte
der  Weisung.  Bald  lichtete  sich  der  Wald.  Ich  schaute  hinab  in
eine  Talmulde,  deren  Abhänge  mit  Tausenden  von  Kasseebäumchen
bepflanzt  waren.  Unten  aus  dem  Grunde  leuchtete  mir  ein  freundliches
  Landhaus  entgegen,  und  langsam  ritt  ich  durch  die  Pflanzung
den  Berg  hinab.

Ehe  Deutschland  seine  Kolonien  erwarb,  konnten  wir  unsern
Kaffee  nur  von  den  Engländern,  Holländern  und  aus  Brasilien
kaufen.  Als  aber  der  Deutsche  Kaiser  seine  Hand  auf  die  großen
Länderstrecken  jenseits  des  Weltmeeres  gelegt  hatte,  da  hieß  es  auch
in  unserm  Vaterlande:  Warum  sollen  wir  so  viele  Millionen  Mark
an  fremde  Völker  zahlen?  Wir  wollen  in  unsern  eigenen  Kolonien
Kaffee  bauen.  Handelsgesellschaften  wurden  gegründet,  Männer
wurden  nach  Afrika  gesandt,  und  eines  Tages  klangen  im  Urwald
  von  Usambara  die  Axte,  um  die  hohen  Bäume  zu  fällen,  denn
in  dem  fruchtbaren  Waldboden  gedeiht  der  Kaffee  besonders  gut.