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Flächen  dem  Auge  nähern;  es  bleiben  nur  die  großen  Linien,
die  ungeheure  Räume  begrenzen.  Hunderte  von  Personen  betreten
  zugleich  die  Basilika  —  sofort  sind  sie  unter  den  Bogenzungen
  verschwunden,  das  Auge  sucht  sie  umsonst.  Die  Stiftsherren
  und  Kapläne  von  St.  Peter  ziehen  in  langen  Reihen
Singend  und  betend  in  der  Ferne  durch  das  Mittelschiff  —  kaum
dringt  ein  Ton  an  unser  Ohr;  es  ist,  als  wenn  sie  lautlos  dahinschwebten
  wie  ihr  Widerschein,  der  sich  im  Spiegel  der
Marmorplatten  bricht;  es  ist,  als  ob  die  Prozession  über  eine
klare  Wasserfläche  hinzöge.  Selbst  an  den  großen  Tagen,  wo
der  Heilige  Vater  zur  Festfeier  nach  St.  Peter  zieht,  umgeben
von  Kardinälen,  Bischöfen,  Priestern  und  einem  glänzenden
Hofstaat,  umrauscht  von  Zehntausenden,  selbst  dann  noch  sind
große  Räume  und  Kapellen  still,  einsam  und  verlassen.

Das  Gewaltigste  und  Kunstreichste  an  dieser  Königin  der
Kirchen  ist  der  Kuppelbau,  der  sich  über  dem  Grabe  des  Apostelfürsten
  Petrus  wölbt,  zu  dessen  Lob  und  Preis  die  Kirche
erbaut  wurde.  Vor  dem  HBauptaltare  senkt  sich  in  weitem
Halbkreise  der  Boden  zu  einer  Tiefe  von  3  bis  4  m;  Geländer
und  Stufen,  Wände  und  Boden  strahlen  im  Schmucke  der  kostbarsten
  Steine  und  Metalle.  Oben  an  der  Umfriedung  brennen
bei  Tag  und  Nacht  89  vergoldete  Lampen  aus  Bronze,  von
vergoldeten  ehernen  Füllhörnern  getragen.  Eine  vergoldete
Metalltür  führt  in  die  Mauernische,  wo  die  sterblichen  Uberreste
des  Apostelfürsten  ruhen.  Der  Sarg  ist  massenhaft  mit  Wöl--bungen
  und  Mauern  umgürtet  und  seit  fünfzehnhundert  Jahren
nicht  mehr  geöffnet  worden.  Neben  dem  hl.  Petrus  haben  an
die  hundertfünfzig  Päpste  hier  ihre  letzte  Ruhestätte  gefunden.
Auch  viele  berühmte  Kirchenlehrer  und  Bischöfe  harren  in  St.
Peter  des  Posaunenrufes  zur  verklärenden  Auferstehung.

Die  Kuppel  über  der  Grabstätte  des  hl.  Petrus  wird  von
vier  Pfeilern  getragen,  die  die  Riesenkuppel  in  den  Himmel
  zu  heben  scheinen.  Jeder  Pfeiler  hat  71  m  Umfang.  Unten
  in  den  Nischen  der  Pfeiler  siehst  du  Marmorstandbilder
von  5  m  Höhe;  sie  erinnern  uns  daran,  welche  Reliquien  hier
aufbewahrt  werden.  Die  hl.  Veronika  hält  uns  das  Schweißtuch
  des  Herrn  entgegen.  Longinus  trägt  eine  Lanze,  und  das
majestätische  Marmorbild  der  hl.  Helena  ist  mit  dem  Kreuze
des  Erlösers  geschmückt.  Oben  an  den  Pfeilern  stehen  die
Kiesengestalten  der  Evangelisten.  Die  Feder  des  Evangelisten
Lukas  sicht  von  unten  zwar  recht  handlich  aus,  in  Wirklichkeit
aber  ist  sie  fast  2  m  lang.