–  410  —

ist  die  heilige  Jungfrau  entschlafen.  Den  Segen  der  heiligen
Jungfrau  wünschen  wir  von  Herzen  Eurer  Majestät  sowie  auch
der  erlauchten  und  geliebten  Landesmutter.

Der  Berg  Zion  ruft  auch  die  Gedanken  an  König  David
und  König  Salomo  wach.  Am  heutigen  Tage  darf  ich  deshalb
wohl  den  Wunsch  aussprechen:  Gott  gebe  Eurer  Majestät  die
Weisheit  Salomos  und  zudem  eine  glorreiche  und  kraftvolle
Regierung  wie  die  des  Königs  David.

Endlich,  wenn  ich  von  mir  selbst  jetzt  sprechen  darf,  so
haben  Eure  Majestät  sich  herabgelassen,  meine  Brust  mit  einem
allerhöchsten  Ehrenzeichen  zu  schmücken;  ich  spreche  meinen
innigsten  Dank  dafür  aus.  Unter  dieser  Auszeichnung  schlägt
ein  gut  deutsches,  ein  gut  preubisches  Herz;  diese  Auszeichnung
  wird  dazu  dienen,  die  Bande  der  Liebe  und  Anhänglidtkeit
  an  Kaiser,  Reich  und  Kirche  noch  zu  festigen.“

Der  Kaiser  reichte  dem  Pater  Schmidt  die  Hand  und
dankte  ihm  für  seine  patriotischen  Worte.  Dann  wandte  er
sich  zu  der  Matrosenkompanie  und  sagte  folgendes:

„Es  ist  eine  ganz  besondere  Auszeichnung  für  euch,  daß
ihr  der  heutigen  Feier  an  dieser  Stelle  beiwohnen  könnt.  Ich
hoffe,  ihr  werdet  euch  dieser  würdig  erweisen  und,  wenn  ihr
nach  Hause  gekommen  seid,  euern  Verwandten  und  Freunden
erzählen  können,  daß  ihr  die  Gelegenheit  erhalten  und  benutzt
habt,  die  Stätten  zu  sehen,  an  denen  unser  Heiland  lebte
und  für  uns  litt.“

Kapitän  von  Usedom,  der  Kommandant  der  „Herta“,  erwiderte
  namens  der  Truppe,  daß  diese  ihr  Bestes  daransetgen
werde,  um  sich  der  ihr  gewordenen  Auszeichnung  durch  immer
  gröberen  Eifer  in  der  Erfüllung  ihrer  Pflichten  würdig
zu  erweisen,  und  schloß  mit  einem  Hoch  auf  Seine  Majestät
den  Kaiser,  worauf  die  Matrosen  mit  klingendem  Spiel  abrückten.


248.  Am  See  Genezareth.

Von  Paul  Wilhelm  von  Keppler.
H  eiliger  See,  Liebling  des  Herrn,  wie  schön  und  friedlich  du  da-0
  liegst  im  Schoße  deiner  Berge!  Einst  warst  du  noch  schöner,  als
die  jeyt  kahlen  Höhen  reicher  Baumschmuck  zierte,  als  die  sanfter
ansteigenden  Ufer  noch  in  goldener  Fruchtbarkeit  prangten,  als  sich
an  deinem  Gestade  eine  fast  ununterbrochene  Kette  von  Städten  und