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Hilfe  des  Dragomans  lange  gehandelt  werden;  aber  wenn  wir  auch
nichts  abnehmen,  werden  wir  doch  in  allem  Frieden  entlassen.

Nun  siud  wir  wieder  in  den  vollen  tosenden  Strom  geraten.
Die  engen  Straßen  sind  ganz  gefüllt  mit  Menschen  und  Geschrei.
Von  Zeit  zu  Zeit  scheint  es,  als  ob  eine  Art  Wettschreien  zwischen
Menschen  und  Tieren  aller  Art  stattfinde.  Der  Esel  singt  sein  gräßliches
  Lied,  dessen  ohrenzerreißende  Töne  sich  anhören  wie  Wehklagen
  über  sein  hartes  Leben  und  die  fortgesetzten  Mißhandlungen.
Darein  mischt  sich  das  rollende  Grölen,  das  donnernde  Vrummen
der  Kamele;  denn  eben  hat  in  die  bereits  gefüllte  Gasse  ein  Zug
von  etwa.  zwanzig  dieser  Tiere  eingelenkt,  deren  Riesenleiber  und
schwankende  Hälse  und  Köpfe  auf  den  wogenden  Menschenfluten  zu
schwimmen  scheinen.  Aber  der  Mensch  zeigt  seine  Herrschaft  über
das  Tier,  indem  er  es  siegreich  überschreit.  Auf  und  ab  wandeln
die  Hausierer  und  preisen  ihre  Waren  an.  Ein  Wasserverkänfer
folgt  dem  andern,  der  eine  mit  großem  Tonkrug,  der  andere  mit
gewaltigem  Ziegenschlauch,  der,  gefüllt  mit  Wasser,  noch  ganz  die
Körpergestalt  seines  einstigen  Besitzers  darstellt.  Ihnen  folgen  Bettler,
  mit  lauter  Stimme  eine  Gabe  heischend.

Den  Diskant  im  Chor  der  Sänger  und  Schreier  aber  bilden
die  Eselsjungen  mit  ihren  durchdringenden,  gellenden  Stimmen.
Zunächst  schreien  sie,  um  ihren  Esel  au  den  Mann  zu  bringen;  ist  er
verdungen,  so  springen  sie  stundenlang  hinter  dem  Tiere  drein.  unablässig
  rufend  und  schreiend,  so  daß  man  sich  über  diese  Doppelleistung
  ihrer  Lungen  verwundern  muß.  Wir  sind  allmählich  müde
geworden,  und  es  reizt  uns,  auch  einmal  einen  Ritt  zu  wagen
auf  dem  edeln,  bei  uns  mit  solchem  Unrecht  verkannten  Tier,  das
im  Morgenlande  eine  hochwichtige  Rolle  spielt  und  der  ganzen  Stadt
Kairo  die  Straßenbahn  ersetzt.  Wir  dürfen  uns  nicht  lange  umsehen.
An  jeder  bedeutenden  Straßenkrenzung  steht  ein  halbes  Dutzend
Esel  bereit.  Wählen  wir  aus,  aber  schauen  wir  die  Tiere  nicht
zu  genau  an,  sonst  vergeht  uns  die  Lust  zu  reiten  angesichts  der
ossenen  Wunden,  in  die  der  unbarmherzige  Treiber  fort  und  fort
seinen  Stachel  eintreibt.  Wir  sitzen  auf,  rufen  dem  Jungen  „Esbekiie“
  zu,  und  jort  geht  es  in  Trab  und  Galopp,  der  Junge  schreiend,
schlagend,  stoßend  und  stechend  hinterdrein.  Er  sorgt  nicht  nur  dafür,
  daß  das  Tier  ordentlich  läuft;  er  muß  auch  im  Straßenge
wirr  die  Leute  warnen  und  ausweichen  heißen,  damit  niemand
zu  Schaden  kommt.  Deswegen  ruft  er,  mit  Sperberaugen  vorschauend,
  beständig:  „Nimm  deine  rechte  Seite  in  acht,  nimm
deine  linke  Seite  in  acht!“  Ist  der  Weg  aber  schwieriger,  oder  stolpert
  der  Esel,  so  warnt  er  gutmütig  auch  sein  Grautier  und  mahnt

Lelebuch  für  Cberklaen.  D.  27