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Bahnhof  geführt;  denn  unser  Reiseziel,  Sidi-Bell-Abbes,  war  noch
85  km  von  Oran  entfernt.  Kbends  neun  Uhr  langten  wir  dort  an.
Ein  Unteroffizier  brachte  uns  in  die  Kaserne.  Dort  mußten  wir  die
Reisepapiere  abgeben  und  wurden  in  ein  Buch  eingetragen.  Km  andern
  Morgen  wurde  uns  von  einem  Haarkünstler  der  opf  ganz  kahl
geschoren.  Dann  trieb  man  uns  wie  eine  herde  Schafe  in  das  Badezimmer
  zur  Reinigung.  Zuch  der  letzte  Rest  europäischen  Staubes
wurde  mit  haltem  Wasser  gründlich  von  uns  weggewaschen.

Wir  wurden  eingekleidet,  und  der  regelmäßige  Dienst  nahm
seinen  Anfang.  Es  ist  für  jeden  Soldaten,  der  nicht  Französisch  sprechen
kann,  eine  schwere  Kufgabe,  die  Kommandos  in  der  Kaserne  und  beim
Exerzieren  nach  Wunsch  des  Dorgesetzten  auszuführen.  Es  regnet  da
Flüche  und  Drohungen  auf  die  häupter  der  Rekruten.  Das  Exerzieren
dauert  täglich  5  bis  6  Stunden.  Don  Mitte  Juni  bis  Mitte  September
  ist  von  morgens  10  bis  nachmittags  um  2  Uhr  Ruhezeit.  Während
  dieser  Seit  soll  kein  Dienst  verrichtet  werden  mit  Kusnahme  des
Wachtdienstes.  Die  Dienstvorschriften  werden  jedoch  sehr  unregelmäßig
und  oft  gar  nicht  befolgt.  Es  kommt  nicht  selten  vor,  daß  man  am
Mittag  noch  nicht  weiß,  welchen  Dienst  man  am  Nachmittag  hat.
Don  seiten  der  Bevölkerung  wird  der  TLegionär  sehr  verächtlich  behandelt.
  Es  ist  eine  Unmöglichkeit  für  den  Moloniesoldaten,  mit  einer
Familie  in  nähere  Derbindung  zu  treten.  Diese  Kbgeschlossenheit  vom
Volke  und  die  harte  Behandlung  durch  gewissenlose  Unteroffiziere  in
der  Kaserne  treiben  viele  Soldaten  zur  Flucht.  Uur  in  äußerst  wenigen
Sällen  gelingt  die  Flucht.  Jeder  Sluchtversuch  wird  hart  bestraft.
Wie  oft  habe  ich  vor  dem  Kerker  der  bestraften  Legionäre  Posten
gestanden!  Die  Krmen  schmachten  in  den  sogenannten  Sillos.  Unter
Sillo  versteht  man  ein  4  m  tief  in  die  Erde  gegrabenes  Loch,  das
ungefähr  die  Form  einer  Tauchergloche  hat.  Der  Durchmesser  am
Boden  beträgt  4  m,  in  der  höhe  am  Eingang  80  cm.  Die  höhle
wird  mit  einem  enggeflochtenen,  mit  Draht  umrahmten  holzgitter
verschlossen.  Bei  Derabreichung  der  Nahrung  konnte  ich  einen  Blich
in  die  Tiefe  werfen,  da  zu  dieser  Seit  der  wachhabende  Korporal
die  Eingangslube  aufschloß.  Beide  3winger  waren  mit  bestraften  Soldaten
  überfüllt.  In  dem  einen  Coche  lagen  am  Boden,  wie  die
heringe  zusammengepreßt,  vierzehn  Mann,  in  dem  andern  sahen  in  gebeugter
  Stellung  fünfzehn  dieser  Unglüchlichen.  Die  Raumverhältnisse
gLestatten  ihnen  nicht,  ihrem  Nôrper  eine  bequeme  TLage  zu  geben.
Sie  mußten  daher  in  halb  sitzender,  halb  liegender  Haltung  der  Ruhe
pflegen.  Den  Unbilden  der  Witterung  sind  sie  schutzlos  preisgegeben,
und  da  sie  oft  wochen-,  ja  monatelang  im  Dunkel  schmachten  müssen,
so  verfallen  die  meisten  von  ihnen  unheilbarem  Siechtum.