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weit  ins  Meer  hinaus  empfindet  der  Schisser  noch  die  Gewalt  der
Strömung.  An  der  Mündung  kämpft  die  Flut  des  Ozeans  mit
dem  urgewaltigen  Strome.  Sie  tritt  in  das  ungeheure  Strombett
und  wälzt  sich  wie  eine  Festungsmauer  den  Fluß  aufwärts.  Die
Wellen  steigen  5  m  hoch,  und  das  Getöse  ist  2  Stunden  weit  hörbar.
  Ebbe  und  Flut  des  Meeres  machen  sich  bis  auf  900  km
landeinwärts  bemerkbar.

An  den  Ufern  des  Amazonas  wölbt  der  größte  Urwald  der
Erde  sein  Laubdach  in  einer  Ausdehnung,  die  ganz  Deutschland
weit  übertrifft.  Der  Urwald  tritt  zu  beiden  Seiten  hart  an  den
Strom,  so  daß  der  bunt  gewirkte  Teppich  zahlloser  farbenprächtiger
  Schlingpflanzen  über  die  hohen  gelben  Lehmufer  bis  auf
den  Wasserspiegel  niederfällt.  Oft  sieht  man  schlanke  Palmen  von
20  bis  30  m  Länge  wie  Angelruten  mit  ihren  rauschenden  Wedeln
über  dem  Wasser  hangen.  Auf  Stämmen  und  Asten  wurzeln  und
treiben  die  verschiedensten  Pflanzen,  und  jede  macht  der  nächsten
ihren  Platz  streitig.  Nur  an  den  Außenseiten  und  oben  in  den
hohen  Wipfeln,  wo  Licht  und  Luft  zutreten  können,  glühen  Tausende
  von  Blütenkelchen  in  sprühenden  Farben  auf.  Unter  den
Kronen  des  Urwaldes  ist  von  der  bunten  Blütenpracht  oft  stundenweit
  nichts  zu  sehen;  dort  herrscht  schwarzgrüne  Dämmerung.
Selbst  um  Mittag  dringt  nur  ein  gemildertes  Licht  durch  das  dichte
Laubdach.  Feuchter,  beklemmender  Dunst  und  Modergeruch  verwesender
  Pflanzen  umfangen  den  von  Stämmen  und  Schlingpflanzen
umschlossenen  Wanderer.

Und  nun  erst  die  tausend  und  aber  tausend  Tierarten,  mit
denen  die  Allmacht  Gottes  diesen  Wälderozcan  belebt  hat!  Den
Morgen  im  Urwalde  verkündet  das  Geheul  der  Brüllafsen,  die  sich
jagend  von  Krone  zu  Krone  schwingen.  Mit  den  ersten  Strahlen
der  Sonne  erwacht  das  Heer  der  Taginsekten.  Buntfarbige  Schmetterlinge
  und  goldflügelige  Käfer  flattern  und  schwirren  in  den  Lüften;
  Scharen  von  Kolibris  funkeln  um  die  Rispen  und  Dolden;  in
den  Zweigen  schaukeln  sich  krächzend  und  schreiend  grüne,  blaue,
rote  und  atlasschimmernde  Papageien.  Eidechsen,  groß  und  schillernd,
  suchen  einen  Sonnenstrahl,  und  Schlangen  ringeln  sich  an
den  Bäumen  empor,  um  sich  in  den  Wipfeln  zu  sonnen  und  ihre
Beute  zu  erhaschen.

Fast  ohne  Dämmerung  senkt  sich  die  Nacht  auf  den  unermeßlichen
  Urwald  herab.  Dann  bilden  Milliarden  leuchtender  Insekten
eine  märchenhafte  Beleuchtung  der  von  Blütendolden  durchrankten
Baumkronen.  Ein  Heer  von  abenteuerlich  geformten  Fledermäusen
flattert  durch  das  Wirrsal  der  Aste.  Drunten  schleichen  der  Jaguar