—  424  —

und  der  Kugnar  nach  Beute,  und  manchmal  tönt  der  Todesschrei
eines  Waldtieres  klagend  durch  die  Nacht  hin.  Alexander  von
Humboldt  erzählt,  wie  er  einst  dicht  am  Rande  des  Urwaldes
übernachtete.  Da  folgte  dem  Lärm  des  Tages  zuerst  tiefe  Stille.
Nach  11  Uhr  aber  durchtobte  wildes  Tiergeschrei  den  Forst.  Die
Assen  heulten  und  brummten,  das  Faultier  klagte,  dazwischen  tönte
das  kurz  abgestoßene  Geschrei  des  Jaguars,  die  aufgescheuchten
Papageien  krächzten,  ein  Chor  unentwirrbarer  Stimmen  begleitete
—  kur),  es  war,  als  ob  ein  Krieg  aller  gegen  alle  urplötzlich  ausgebrochen
  sei.

In  großen  Zwischenräumen  findet  man  am  Amazonenstrom
elende  Hütten,  mit  Palmblättern  bedeckt  und  von  Kakaobäumen
umgeben.  Nur  vereinzelt  läßt  sich  ein  Dampfer  erblicken,  der  seine
Insassen  auf  den  Wasserstraßen  in  den  undurchdringlichen  Urwald
bringt,  oder  man  sieht  einen  Händler  auf  seinem  Fahrzeuge  stromabwärts
  gleiten.  Das  unermeßliche  Waldgebiet  ist  die  Heimat  der
Indianer,  die  hier  noch  heute  so  wild  und  unzugänglich  sind  wie
der  Strom  und  der  Urwald.

253.  Die  Auswanderer.  Von  Ferdinand  Frelligrath.

1  kann  den  Blick  nicht  von  euch  wenden,
lch  muß  euch  anschaun  immerdar;

Wie  reicht  ihr  mit  geschäft'gen  Händen

Dem  Schiffer  eure  Habe  dar!

2.  Ihr  Männer,  die  ihr  von  dem  Nacken
Die  Körbe  langt,  mit  Brot  beschwert,
Das  ihr  aus  deutschem  Korn  gebacken,
Geröstet  habt  auf  deutschem  Herdl

3.  Und  ihr  im  Schmuck  der  langen  Zöpfe,
lhr  Schwarzwaldmädchen,  braun  und  schlank,
Wie  sorgsam  stellt  ihr  Krüg  und  Töpfe
Auf  der  Schaluppe  grüne  Bank!

4.  Das  sind  dieselben  Töpf  und  Krüge,
Oft  an  der  Heimat  Born  gefüllt!
Wenn  am  Missouri  alles  schwiege.
Sie  malten  euch  der  Heimat  Bild: