—  426  —

Sällen  vorzudringen,  ja  noch  bis  ins  19.  Jahrhundert  hinein  machten
die  ewigen  Kriege  der  Weißen  gegen  die  Indianer  oder  der  Indianer
  untereinander  das  Reisen  in  jenen  Eegenden  gefährlich,  oft  sogar
  unmöglich.  heute  hat  das  Geräusch  blühender  Städte,  die  die
FKälle  umschliesßen,  das  dumpfe  gespenstische  Brausen  getötet,  das  der
Wanderer  in  früheren  Seiten  schon  in  weiter  Ferne  vernahm.

Statt  mit  der  Büchse  im  Krm  vorsichtig  nach  geinden  spähend
wie  einst,  saust  der  Reisende  von  heute  mit  dem  Schnellzuge  dem
Weltwunder  entgegen,  ja  er  braucht,  um  es  in  Zugenschein  zu  nehmen,
  nicht  einmal  den  bequem  eingerichteten  Wagen  zu  verlassen,  da
die  Gleise  so  nahe  an  die  Sälle  gelegt  sind,  daß  er  das  ganze  Danorama
  vom  Fenster  aus  fünf  Minuten  lang  in  Ruhe  betrachten  hann.
Die  rauhe  Seit  des  Saustrechts  ist  für  jene  Gegend  vorbei,  das
Kriegsgeheul  der  Irokesen  ist  verstummt;  nur  die  massenhaft  umherschwärmenden
  Hhotographen,  die  den  harmlosen  Reisenden  beschleichen
  und  ihm  das  Objektiv  mit  dem  Ruf:  „Wollen  Sie  Ihr  Bild
abnehmen  lassen?“  vor  die  Brusft  setzen,  gemahnen  an  die  Seit  der
Überfälle.

Der  Eriesee  ist  mit  dem  etwa  100  m  tiefer  liegenden  Ontariosee
  durch  den  53  km  langen  Niagarastrom  verbunden.  Bei  Fort  Erie
in  der  Nähe  von  Buffalo  beginnen  die  Wasser  des  Sees  sich  in  den
Sluß  zu  ergießen.  Zuerst  schnell  dahinströmend,  verlangsamt  sich  der
Lauf  des  Wassers  nach  und  nach,  so  daß  Fahrzeuge  noch  bis  etwa
8  km  oberhalb  der  Fälle  ohne  Gefahr  von  Ufer  zu  Ufer  geführt
werden  können.  Don  Navy-Island  an  beginnt  das  Wasser  mit  größerer
Geschwindigkeit  dahinzurauschen;  ein  Katarakt  folgt  dem  andern,  bis
endlich  der  durch  die  große  Siegeninsel  und  mehrere  andere  kleinere
Inseln  geteilte  Strom  in  eine  Tiefe  von  48  bis  50  m  hinabstürzt.  Durch
die  Teilung  entstehen  zwei  Sälle,  der  kleinere  amerihanische  Fall  und
der  größere  hufeisenfall.  Unterhalb  des  Sturzes  beruhigt  sich  das
Wasser  wieder,  so  daß  man  mit  Booten  übersetzen  kann.  Nach  weiteren
  5  km  verengt  sich  das  Flußbett  wieder,  ein  weiteres  Gefälle  läßt
den  Strom  schneller  und  schneller  dahinschießen,  bis  endlich  das  Wasser
in  den  „Reißenden  Strudeln“  15  bis  18  m  hoch  emporgeschleudert  wird.
Erst  nach  und  nach  beruhigt  sich  der  aufgeregte  Strom  und  wird  dann
bei  dem  kanadischen  Städtchen  Niagara  von  den  Wassern  des  Ontariolees
  aufgenommen.

Die  ganze  Art  und  Weise,  wie  sich  das  wunderbare  Schauspiel  der
Uiagarafälle  darbietet,  hat  etwas  Kußergewöhnliches,  Verblüffendes,
ich  möchte  sagen  Kmerikanisches  an  sich.  Der  Sug  hält  in  der  Stadt
Niagarafalls.  Weiterhin,  hinter  einigen  Baummassen  sieht  man  eine