—  437  —

Schweine  gierig  nach  Eicheln  und  Bucheckern  suchten.  Bald  wurde
der  Pfad  enger  und  der  Wald  dunbler.  Da  wölbte  sich  manche
Baumwurzel  so  hoch  über  den  Boden,  daß  die  Jäger  darunter
hinweggehen  konnten.  Gestürzte  Baumriesen  sperrten  den  Weg.
Bei  ihrem  Falle  hatten  sie  manchen  Ast  des  Nachbarbaumes  mit
herabgerissen.  Feucht  war  der  Boden.  Unter  jedem  Schritt  quoll
Wasser  hervor.  Aber  manchen  Wassertümpel  hatten  Moos  und
Gras  eine  täuschende  Deche  gezogen.  Feucht  und  moderig  war
auch  die  Luft.  Kein  Vogel  war  hier  zu  sehen,  nur  der  Specht
hämmerte  geschäftig  an  den  gewaltigen  Stämmen.

Seid  auf  der  Hut,  ihr  kühnen  Jäger!  Was  ist's?  Die  Hunde
zerren  an  den  Leinen,  sie  wittern  die  Spur  eines  Wildes.  Auf
dem  Waldboden  ist  eine  Sohle  abgedrückt;  ein  Bär  ist  in  der  Nähe.
Fest  umbklammert  jeder  seine  Waffe.  Die  Hunde  werden  losgelassen
  und  stürzen  davon.  —  Horcht!  Sie  müssen  den  Waldkönig
entdecht  haben.  Hastig  drängen  die  Jäger  den  Rüden  durchs  dichte
EGestrüpp  nach.  Dort  ist  der  Zugang  zur  Höhle.  Nur  einzeln  kommen
  ihm  die  Angreifer  nahe  und  stellen  sich  kampfbereit  nebeneinander
  auf.  Vorsichtig  biegt  Bater  Wolbfhart  die  Aste  des  schützenden
  Dichichts  auseinander.  Eine  Pranke  der  Bestie  ragt  aus  der
Höhle.  Wolfhart  legt  an,  zielt  nach  dem  Kopfe  des  Tieres  und
schießt  den  Pfeil  ab.  Ein  wütendes  Gebrumm  ertönt,  und  die  Jäger
treten  einen  Schritt  zurüch,  zu  Wurf  und  Stoß  bereit.  Plötzlich
fährt  das  Untier  heraus,  es  will  durchbrechen.  Ein  Hund,  der  sich
dem  gereizten  Tiere  nähert,  erhält  einen  so  wuchtigen  Hieb,  daß  er
sich  winselnd  am  Boden  wälzt.  Da  stößt  Hugbald  seinen  Speer
der  wilden  Bestie  in  die  Brust,  aber  sie  kommt  nicht  zu  Fall.
Ohm  Hildebrand  vom  Nechenhof  sieht  die  große  Gefahr  und  rennt
seine  Waffe  dem  Bären  von  hinten  in  den  Rüchen.  Böchelnd  fällt
das  schwere  Tier  zur  Seite.  Aus  schwachen  Baumstämmen  wird
eine  Tragbahre  zusammengefügt  und  der  Waldkönig,  der  manches
Stück  Vieh  geraubt  hatte,  nach  Hause  geschafft.  Im  Hose  drängen
sie  alle  herzu,  voll  Jubel  die  Jungen,  voll  Neugier  die  Alten.

3.  Im  gastlichen  Hause.

Unterdes  war  der  Abend  herangeltommen.  Die  Jagdgenossen
begaben  sich  zur  Halle.  Knechte  brachten  Hafermus,  geräuchertes
Fleisch  und  Sauerkraut  in  irdenen  Töpfen.  Nach  der  Mahlzeit
wurde  jedem  eine  Schüssel  Wasser  mit  Seife  und  ein  Handtuch  gereicht.
  Frau  Sieglinde  nahm  das  Methorn  von  der  Wand,  ließ
es  füllen  und  reichte  dem  Vornehmsten  den  ersten  Trunk.  „Und