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Häuptling  zu.  „Ich  bin  Armin,  der  Sohn  des  Fürsten  im  Cheruskerlande“,
  sagte  er  und  streckte  dem  Häuptling  die  Hand  entgegen.
Der  Häuptling  führte  den  Fremden  in  die  Stube;  der  Fremde  schien
ungefähr  26  Jahre  alt;  die  rotgelben  Haare  hiugen  ihm  auf  die
Schultern  herab.  „Wer  sind  die  fremden  Arbeiter  draußen  vor  dem
Dorfe?“  fragte  Armin.  „Das  sind  römische  Soldaten,  die  eine
Straße  bauen“,  antwortete  der  Häuptling.  „Auf  dem  Hügel  wird
auch  gebaut?"  fragte  Armin  weiter.  „Ein  Haus  für  den  römischen
Offizier  und  Wohnungen  für  Soldaten  und  Krämer.“  „Du  erwartest
jemand?"  fragte  Armin.  „Ja,  Varus,  den  neuen  römischen  Statthalter.
  —  Aber  was  willst  du  von  mir?"“  „Darüber  wollen  wir
nachher  reden"“,  sagte  Armin,  denn  draußen  ließen  sich  Stimmen
vernehmen;  jemand  rief  zur  Tür  herein:  „Varus  kommt!“

Durchs  Dorf  marschierte  ein  langer  Zug  von  Soldaten.  Zuerst
  kamen  Reiter,  dann  Soldaten  zu  Fuß,  dann  Wagen  mit  Säcken
voll  Getreide,  dann  Viehherden,  zuletzt  wieder  Soldaten.  Auf  einem
großen  Pferde  saß  vorgeneigt  ein  dicker  Mann.  Sein  gelbes  Gesicht
mit  den  kurzgeschorenen  schwarzen  Haaren  war  ausfgedunsen,  und
zwischen  den  Fleischwülsten  blinzelten  die  kleinen  schwarzen  Augen
listig  hervor.  Das  war  Varus,  der  neue  Statthalter.  Aber  die
Leute  zu  beiden  Seiten  des  Weges  blickten  nicht  auf  ihn,  sondern
flüsternd  denteten  sie  auf  die  sechs  Soldaten  hinter  ihm,  die  etwas
besonders  Schreckhaftes  trugen.  Jeder  trug  über  der  Schulter  an
einem  Stab  ein  dickes  Bündel  Ruten,  zwischen  denen  scharf  geschlissene
  Beile  hervorblitzten.  „O  Gott,  der  kommt  wie  ein  Scharfrichter!“
  raunte  der  Häuptling  Armin  zu  und  ging  dem  Statthalter
entgegen.  Varus  glitt  schwerfällig  vom  Pferde  und  machte  ein  paar
Schritte  auf  das  Haus  zu.  „Frag,  wer  der  Häuptling  ist!“  sagte
er  zu  seinem  Dolmetscher.  Er  schüttelte  dem  Häuptling  die  Hand
und  sprach:  „Ich  bin  Varus,  der  Vetter  des  Kaisers;  ich  bin  gekommen,
  dir  zu  sagen,  was  wir  brauchen:  30  Stücke  Tuch,  wie  es
eure  Weiber  weben;  außerdem  hat  der  Gau  zu  liefern  100  fette
Rinder,  100  Rindshäute  zu  Leder,  50  Säcke  Hafer,  50  Fuder  Heu
und  50  Fuhren  Stroh.  Alles  innerhalb  einer  Woche.  In  deinem
Dorfe  werde  ich  heute  mit  der  Lieferung  anfangen  lassen.“  Der
Häuptling  war  blaß  geworden.  „Herr  Statthalter,  das  geht  nicht,
wir  sind  arme  Leute!“  antwortete  er.  —  „Wer  sich  widersetzt,  der
hat  es  mit  denen  dort  zu  tun“,  antwortete  Varus  und  wies  mit
der  fleischigen  Hand  zurück  auf  die  sechs  Soldaten  mit  den  Rutenbündeln.
  „Die  Beile  sind  frisch  geschlissen,  und  die  Stöcke  reichen
für  den  ganzen  Gau.“  —  Ein  Murren  ging  durch  die  Umstehenden,
um  das  sich  Varus  aber  nicht  zu  kümmern  schien.  „Was  gibt's  zu