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essen  und  zu  trinken?"  fragte  er  lachend;  „eure  rauhen  Winde  machen
mich  hungrig  und  durstig.“  Er  gab  seinen  Offizieren  ein  paar  Befehle
  in  lateinischer  Sprache  und  schritt  auf  das  Haus  des  Hauptlings
  zu.

Armin  stand  in  der  Nähe  und  horchte;  dem  Statthalter  war
das  nicht  entgangen.  „Verstehst  du  unsere  Sprache?“"  fragte  er  ihn
verwundert  auf  lateinisch.  „Ich  habe  sie  in  Rom  gelernt“",  gab
Armin  zur  Antwort.  —  „Du  hast  gedient?“  „Ja,  mein  Bruder  dient
noch  jetzt  im  römischen  Heere.“  „Hast  du  dich  ausgezeichnet?“  Armin
hielt  ihm  die  Hand  hin,  an  der  ein  goldener  Ring  funkelte.  „Diesen
Ring  gab  mir  der  Kaiser,  als  er  mich  zum  römischen  Ritter  machte.“
„Wie  heißt  du?'“  „Armin,  Sohn  des  Fürsten  Sigimer  im  Cheruskerland.“
  —  „Sigimer  —  richtig!  Den  kenne  ich!“  —  Varus  betrachtete
  mit  Wohlgefallen  den  schönen  hochgewachsenen  Mann,  der
stolz  vor  ihm  stand  und  ihn  aus  blauen  Augen  furchtlos  aublickte.  —
„Ich  hoffe,  daß  du  öfters  zu  meiner  Tafel  kommst.  Ich  sehe  es  nicht
gern,  wenn  ein  deutscher  Fürst,  der  römischer  Ritter  ist,  sich  von
meinem  Zelte  fernhält  und  wieder  verbanert“,  sagte  er  freundlich.

Varus  trat  in  die  Stube.  Verächtlich  ließ  er  seine  Angen
herumgehen  auf  den  mit  Feldsteinen  gepflasterten  Boden,  auf  die
von  Rauch  und  Ruß  geschwärzten  fensterlosen  Wände  und  auf  die
Dachbalken  mit  dem  Strohdach.  Ein  Lichtstreifen,  der  vom  Rauchloch
  im  Dache  kam,  beleuchtete  die  düstere  Stube.  Alle  setzten  sich
an  den  schweren  eichenen  Tisch  vor  dem  Herd.  Varus  saß  zwischen
Armin  und  dem  Häuptling;  römische  Offiziere  und  Bauern  aus  dem
Dorfe  hatten  in  zwei  Reihen  am  Tische  Platz  genommen.  Die  Knechte
trugen  Schweinefleisch,  Sauerkraut  und  Bärenschinken  auf;  große
Kannen  mit  Bier  und  Met  wurden  auf  den  Tisch  gestellt.  Varus
aß  und  trank  mit  gutem  Appetit  und  redete  lateinisch  mit  Armin,
der  zwischen  Varus  und  dem  Häuptling  den  Dolmetscher  machte.

*  *
2

Von  der  Straße  hörte  man  Geschrei,  dann  Schläge.  Alle
eilten  hinaus.  Ein  römischer  Soldat  führte  eine  Kuh  am  Strick,
die  ihm  ein  Bauer  wieder  entreißen  wollte.  Beide  schlugen  aufeinander
  los.  Eben  wollte  der  Bauer  mit  der  Axt,  die  in  seinem
Gürtel  steckte,  zum  Hieb  ausholen;  aber  römische  Soldaten  entrissen
  ihm  die  Axt  und  banden  ihm  die  Hände.  Varus  trat  auf
den  Bauern  zu;  das  Gesicht  des  Statthalters  war  dunkelrot,  und
seine  Augen  blitzten.  „Was  gibt's?"  fragte  er.  „Ich  habe  im
Dorf  die  Rinder  geholt,  wie  es  mir  der  Offizier  gebot;  da  widersetzte
  sich  der  Bauer"“,  sprach  der  Soldat.  „Er  lügt“,  schrie  der