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Bauer;  „der  stiehlt,  der  nimmt  alles,  was  er  erwischen  kann!  Eine
Kuh  hätte  er  nehmen  dürfen;  zwei  hat  er  genommen!“  „Wir
werden  sofort  über  die  Sache  zu  Gericht  si  sitzen",  sagte  Varus.  Da
trat  ihm  der  Häuptling  in  den  Weg.  „Das  gibt  es  nicht“,  sagte
er.  „Über  deine  Soldaten  kannst  du  ichten  aber  den  Bauern
richten  wir.  Der  Baner  gehört  vor  unser  Gericht  —  der  ganze
Gau  muß  richten.  Das  ist  unser  altes  Recht  und  Herkommen.“
„Ich  bin  Statthalter  hier  im  Namen  des  Kaisers,  meines  Vetters!“"
rief  Varus  mit  schneidend  hoher  Stimme;  „ich  werde  euch  wilde
Deutsche  zahm  machen!  Soldaten,  schließt  den  Kreis!“

Die  Soldaten  stellten  sich  im  Kreise  um  die  Linde,  die  auf  dem
Dorfplatze  stand,  und  holten  aus  dem  nächsten  Hause  eine  Bank,
worauf  Varus  Platz  nahm.  Die  sechs  Bündelträger  stellten  sich
hinter  ihn.  Der  Soldat  und  der  Bauer,  denen  man  die  Wafsen
abgenommen  hatte,  wurden  vor  Varus  geführt.  Wütend  mußten
der  Häuptling  und  die  Bauern  das  alles  geschehen  lassen,  denn  ihr
Häuflein  war  zu  klein.  Varus  stellte  viele  Fragen  an  den  Soldaten
und  an  den  Bauern;  mit  diesem  redete  er  durch  den  Dolmetscher.
Zwei  römische  Advokaten  traten  in  den  Kreis  und  redeten  lateinisch
miteinander.  Der  Bauer  stand  mit  offenem  Munde  da  und  hörte
stumpfsinnig  zu,  wie  die  beiden  in  einer  unverständlichen  Sprache
zu  streiten  schienen  —  immer  lauter,  immer  schneller,  immer  hitziger.
Armin  horchte  auf  jedes  Wort.  Die  Bauern  sahen  einander  an
und  schüttelten  die  Köpfe.  „Verstehst  du  etwas  von  dem  Kauderwelsch?“
  fragte  einer  den  andern.

Jetzt  erhob  sich  Varus  und  verkündete  in  lateinischer  Sprache
das  Urteil.  „Was  sagt  er?"  fragte  der  Häuptling  Armin.  —  „Der
Bauer  soll  25  Stockschläge  bekommen.“  —  Da  drängte  sich  der
Häuptling  durch  die  Soldaten;  hochaufgerichtet,  bebend  vor  Zorn,
stellte  er  sich  vor  Varus.  „Das  ist  ein  freier  Mann;  der  darf  nicht
geschlagen  werden  wie  ein  Knecht  oder  ein  Hund!“  rief  er.  „Das
werden  wir  sehen!“  antwortete  Varus.  Sein  Atem  ging  schwer
und  pfeifend  wie  bei  Fettleibigen.  Jetzt  rief  auch  der  Bauer  verzweiflungsvoll
  dazwischen:  „Mein  Vieh,  meinen  Hof,  meine  Knechte
und  Mägde,  alles  geb'  ich  her.  Nur  nicht  schlagen!  Nur  nicht
schlagen!  Ehrlos  bin  ich  wie  ein  Knecht,  wenn  ich  geschlagen  werde!“
—  Die  Bauern  zogen  ihre  Schwerter  und  bereiteten  sich  zum  Angriff;
  die  römischen  Soldaten  streckten  ihre  Spieße  vor;  alles  schrie
durcheinander;  dazwischen  hörte  man  des  Varus  heisere  Stimme.
Da  trat  Armin  zum  Häuptling.  „Männer,  seid  vernünftig!  Es  ist
ja  umsonst.  Sie  sind  viele,  und  ihr  seid  wenige.  Spart  die  Rache
für  später  Es  kommt  die  Zeit!“  redete  er  leise  deutsch  zu  ihnen.