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Der  Bauer  wurde  ausgezogen  bis  zum  Gürtel  und  mit  Stricken
an  den  Baum  gebunden.  Ein  Soldat  öffnete  das  Rutenbündel  und
entnahm  ihm  einen  Stock.  Und  nun  sausten  die  Hiebe  nieder  auf
den  entblößten  Rücken,  schwer,  langsam.  Eins  —  zwei  —  drei
zählte  der  Soldat,  der  danebenstand.  Bei  jedem  Schlag  zuckte  der
Bauer  zusammen;  aber  er  schrie  nicht,  er  knirschte  nur  mit  den
Zähnen.  Seine  Frau  und  seine  Kinder  sahen  von  weitem  zu  und
weinten.  Bei  den  ersten  Streichen  zeigten  sich  rote  Striemen;  dann
platzte  die  geschwollene  Haut,  und  das  Blut  lief  über  den  Rücken
und  färbte  die  Rute  rot.  „Ooooh!“"  stöhnte  der  Bauer  tief  aus  der
Brust.  Armin  wandte  sich  ab.  „261“  zählte  der  Soldat.  Man
ließ  den  Bauern  frei.  Einen  Blick  voll  wilden  Hasses  warf  er  auf
den  Statthalter.  Dann  raffte  er  seine  Wassen  vom  Boden  auf  und
ging  mit  niedergeschlagenen  Augen  heim.

Der  Zug  ordnete  sich;  die  Hornbläser  bliesen  zum  Abmarsch.
Wagen  mit  Heu  und  Stroh,  eine  kleine  Rinderherde,  alles,  was  die
Soldaten  im  Dorfe  genommen  hatten,  führten  sie  mit  sich  fort.  Eine
Frau  lief  durchs  ganze  Dorf  hinter  ihrer  Kuh  her,  weinte  und  nahm
Abschied  von  ihr  wie  von  einem  lieben  Kinde.  Varus  stieg  aufs
Pferd;  vom  Sattel  herab  reichte  er  Armin  die  Hand:  „Vergiß  nicht,
ich  erwarte  dich  bei  mir  zu  Tisch  in  den  nächsten  Tagen!“  Dann
ritt  er  zum  Dorfe  hinaus.  Mit  finstern  Blicken  schauten  ihm  die
Bauern  nach.

Als  Armin  um  sich  blickte,  stand  er  allein;  alle  waren  von
ihm  getreten.  Da  sprach  er:  „Wie,  weil  ich  mich  verstellen  muß,
haltet  ihr  mich  für  einen  Freund  des  Varus?  —  Ich  hasse  ihn  weit
mehr  als  ihr.  Darum  bin  ich  zu  euch  gekommen.  Wollt  ihr,  daß
wir  zusammen  helfen  und  sie  aus  dem  Lande  treiben,  den  Varus,
seine  Soldaten,  seine  Römer,  das  ganze  römische  Gesindel?“  —
„Komm!"  sagte  Armin  zum  Häuptling  und  trat  mit  ihm  in  die
Stube.  Ein  paar  Stunden  dauerte  die  Unterredung;  auch  die
Bauern  wurden  hineingerufen.  Und  am  Abend  schickte  der  Häuptling
  reitende  Boten  in  alle  Dörfer  des  Gaues  und  ließ  die  Leute
für  den  nächsten  Tag  zu  einer  großen  Volksversammlung  zusammenrufen.


262.  Das  trierische  Land  zur  Zeit  der  Räömer.
Von  Peter  Züscher.

ur  Zeit  Christi  wurde  das  tricriiche  Land  von  den  Römern  beherrscht,

  denen  damals  fast  die  ganze  den  Alten  bekannte  Welt

untertan  war.  Nach  der  völligen  Unterwerfung  des  Landes  waren