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begehrte  von  ihr  die  Stelle  zu  wissen,  wo  Siegfried  verwundbar  sei,
auf  daß  er  ihn  schütze  in  Gefahr.  Kriemhilde  nähte  in  argloser  Liebe
ein  rotes  Krenzlein  mit  feiner  Seide  auf  Siegfrieds  Gewand  an  der
Stelle,  wo  er  verwundbar  war.

Am  andern  Morgen  zog  Siegfried  mit  Gunter  und  Hagen
und  vielen  Mannen  hinaus  auf  die  Jagd.  Und  es  geschah,  daß  es
Siegfried  dürstere.  Da  sprach  Hagen:  „Hier  in  der  Nähe  weiß  ich
einen  kühlen  Felsenquell,  zu  dem  laßt  uns  gehen.“  Als  Siegfried
es  vernahm,  mahnte  er  zum  Aufbruch,  um  sich  an  dem  frischen
Quell  zu  laben.  Doch  Hagen  sprach:  „Ich  hörte  oft  die  Leute
sagen,  es  könne  keiner  sich  im  Wettlauf  mit  Kriemhildens  Manne
messen.  Gern  wüßte  ich,  ob  es  wahr  ist,  was  sie  reden.“  Da
antwortete  der  kühne  Held:  „Wollt  Ihr  mit  mir  zum  Brunnen  um
die  Wette  laufen,  so  könnt  Ihr  es  sogleich  erfahren.“  „Ja,  laßt  es
uns  versuchen!"  rief  Hagen,  und  auch  König  Gunter  war  dazu  bereit.

Da  legten  Gunter  und  Hagen  ihre  Oberkleider  ab;  Siegfried
aber  blieb  in  voller  Jagdrüstung.  Wie  zwei  wilde  Panther  sprangen
sie  durch  das  grüne  Gras;  doch  Siegfried  erreichte  lange  vor  ihnen
das  Ziel.  Nun  legte  er  den  Schild  an  den  Rand  des  Brunnens,
lehnte  seinen  Speer  an  einen  Lindenast  und  band  den  Köcher  und
das  Schwert  von  der  Seite.  So  stand  er  und  wartete  ruhig,  bis
Gunter  käme.  Denn  wie  sehr  ihn  auch  dürstete,  so  wollte  er  doch
nach  guter  Sitte  den  König  zuerst  trinken  lassen.

Alsbald  beugte  sich  Gunter  zu  dem  silberklaren  Quell.  Als
er  sich  wieder  aufgerichtet  hatte,  kniete  Siegfried  nieder  und  neigte
sich,  das  kühle  Wasser  zu  trinken.  Da  ergriff  Hagen  des  Helden
Schwert  und  Bogen  und  trug  sie  raschen  Sprunges  beiseite.
Dann  lief  er  zurück,  faßte  den  Speer  und  schaute  auf  das  Kreuz  in
Siegfrieds  Kleid.  Arglos  schlürfte  der  edle  Held  das  labende  Getränk.
  Da  schleuderte  Hagen  mit  furchtbarer  Kraft  den  Speer.
Mitten  durch  das  Kreuz  fuhr  das  mörderische  Eisen  und  durchbohrte
  dem  arglosen  Helden  Rücken  und  Brust.  Hochauf  spritzte
das  Blut  aus  der  Wunde  auf  Hagens  Kleid.  Wie  rasend  sprang
der  Getroffene  auf,  den  Speerschaft  im  Herzen.  Er  wollte  nach
Schwert  und  Bogen  greifen;  doch  der  todwunde  Held  hatte  keine
Wehr  als  den  Schild.  Den  riß  er  vom  Brunnen  auf  und  stürmte
auf  Hagen  ein,  der  ihm  nicht  entrinnen  konnte.  Und  so  gewaltig
war  selbst  des  Todwunden  Krast,  daß  Hagen  vor  seinen  Schlägen
rückwärts  strauchelte  und  die  Edelsteine  aus  dem  Schilde  weithin
stoben.  Endlich  aber  schwanden  dem  edeln  Helden  die  Kräste.
Bleich  ward  sein  Antlit,  die  Knie  brachen  ihm;  todesmatt  sank
Kriemhildens  Gatte  in  die  Blumen  und  färbte  sie  rot  mit  seinem  strö-