—  452  —

5.  Hilf  mir  dieses  Volk  bezwingen,  gib  den  Sieg  in  meine  Hand,
Daß  der  Franken  Macht  erhennen  muß  des  Uheins,  des  Uechars  Strand:

ö.  Lieh,  so  will  ich  an  dich  glauben,  Lirchen  und  Kapellen  baun
Und  die  edeln  Franken  lehren,  keinem  Gott  als  dir  vertrann.“

7.  Sprach  es,  und  aus  Wolhken  leuchtend  brach  der  Sonne  voller

Strahl,
krischer  Mut  belebt  die  Herzen,  füllt  des  schwachen  Häufleins  Zahl.

8.  Klodwig  selbst  ergriff  das  Banner,  trug  es  in  der  Feinde  Reih'n,
Und  die  EFranken  siegesmutig  stürzen  jauchzend  hinterdrein.

9.  Schreck  ergriff  der  Feinde  Rotten,  feige  wenden  sie  und  fliehn.
All  ihr  Hriegsruhm  ist  erloschen,  ihre  Macht  und  Freiheit  hin.

10.  König  Klodwig  ließ  sich  taufrn  und  sein  edles  Volk  zugleich,
klud  ob  allen  dentschen  Stämmen  mächtig  ward  der  Franken  Beich.

11.  Wenn  sie  einst  den  Gott  verlassen,  der  bei  Zülpich  Sieg  verlieh,
Ist  den  Alemannen  wieder  Macht  gegeben  über  sie.

267.  Aus  den  letzten  Lebensjahren  des  heiligen
Bonifatius.  Von  Ostar  Docker.

Ein  freundlicher  Sommermorgen  war  erschienen.  Der  Erzbischof
Bonifatius  saß  auf  seinem  Lieblingsplatz  am  Fenster  der  Pfalz
zu  Mainz  und  blickte  auf  den  glitzernden  Rheinstrom.  „Du  teuerster
Sohn,“  sprach  er  und  legte  seine  Hände  auf  Lullus'’  Schultern,  „wie
ich  meine  ersten  Schritte  als  Missionar  zu  den  Friesen  gelenkt  habe,
so  will  ich  meine  Tage  auch  bei  diesem  Volke  beschließen.  Sorge
dafür,  daß  mein  Bücherkasten  mitkommt,  denn  ungern  entbehre  ich
unterwegs  der  geistlichen  Schriften;  und  lege  dazu  ein  Leintuch,
damit  mein  Leichnam  dareingewickelt  und  nach  dem  Kloster  Fulda
gebracht  werden  könne!“

Als  bald  nachher  der  Tag  der  Abfahrt  erschien,  legte  Bonifatius
  seinen  vollen  Ornat  an  und  erschien  mit  dem  Krummstabe
in  der  Rechten.  Die  Anwesenden  fielen  auf  die  Knie  nieder  und
neigten  ihr  Haupt,  während  der  Erzbischof  mit  erhobenen  Händen
langsam  an  ihnen  vorüberschritt.  Nachdem  seine  hohe  Gestalt  aus
dem  Gemache  verschwunden  war,  brach  der  Schmerz  der  Zurückgelassenen
  laut  und  heftig  hervor.  Auch  das  Volk  weinte,  das  von