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der  Greis  mit  dem  erzbischöflichen  Ornate  geschmückt,  und  freudig
trat  er  aus  seinem  Zelte  hervor.  Doch  er  sollte  sich  bitter  enttäuscht
sehen.  Wassengeklirr  ertönte;  fremde  und  überaus  wilde  Gesichter
waren  es,  die  jetzt  in  der  Nähe  des  Berges  auftauchten.  In  wilder
Erbitterung  darüber,  daß  der  fremde  Christenpriester  so  viele  Friesen
ihrem  altheidnischen  Glauben  entrissen  hatte,  drangen  die  Heiden  in
das  Lager.  Die  Leviten  grisfen  zu  den  Waffen,  um  den  greisen  Erzbischof
  zu  schirmen.  Allein  Bonifatius  wehrte  es  ihnen  in  sanfter
Rede.  Mit  dem  Evangelienbuch  in  der  Hand  wandte  er  sich  zu  den
Seinen  und  sagte:  „Lasset  ab  vom  Kampfe,  ihr  Lieben!  Gedenket
des  Wortes  der  Heiligen  Schrift,  Böses  mit  Gutem  zu  vergelten!
Beuget  euch  den  Streichen  der  Heiden,  ihr  Brüder;  sie  können  wohl
den  Leib  töten,  aber  nicht  die  Seele,  die  in  Gott  ankert!“"

Jetzt  stürzten  die  heidnischen  Friesen  mit  wildem  Geschrei  auf
die  ruhig  dastehenden  Männer  Gottes.  Einen  Augenblick  machten
sie  stutzend  halt,  dann  aber  ertönte  ihr  Kriegsruf  von  neuem.  Hoch
schwangen  sie  ihre  Schwerter,  und  sausend  fielen  die  Hiebe  auf  die
entblößten  Häupter  der  christlichen  Schar.  Mit  einem  dankbaren  Blicke
nach  oben  empsfing  Bonifatius  die  Todeswunde,  und  im  Niederfallen
bettete  er  sein  ehrwürdiges  Haupt  auf  das  Evangelicubuch.  Wie
Christus  konnte  der  Apostel  der  Deutschen  nunmehr  rufen:  „Es
ist  vollbracht!“  Denn  er  war  als  echter  Held  des  Glaubens  und
als  getreuer  Nachfolger  Christi  gefallen.  Nur  wenige  Missionare
entgingen  der  Mordlust  der  Friesen,  die  nach  ihrer  grausamen
Tat  die  Zelte  zerstörten  und  mit  wildem  Jubelgeschrei  sich  auf  die
Beute  stürzten.  Doch  sahen  sie  sich  in  ihrer  Erwartung  getäuscht,
da  die  umherstehenden  Kisten  statt  des  erhofften  Goldes  und  Silbers
nur  Bücher  enthielten.

Die  Nachricht  vom  Tode  des  Apostels  der  Deutschen  verbreitete
  sich  rasch,  und  von  Utrecht  strömten  viele  herbei,  um  dem
gefallenen  Märtyrer  die  letzte  Ehre  zu  erweisen.  Wiederum  segelte
auf  dem  Rheinstrom  ein  Schiff,  das  gen  Mainz  steuerte.  Vom
Mittelmast  wehte  eine  schwarze  Flagge,  und  auf  dem  Verdeck  stand
ein  kleines  schlichtes  Bretterhaus,  worin  der  Erzbischof  lag.  Abermals
  läuteten  die  Glocken  der  am  Ufer  stehenden  Kapellen  und  Kirchen;
  aber  schwer  und  dumpf  war  ihr  Klang,  und  es  schien,  als
ob  ihr  Geläute  eine  heilige  Musik  zu  den  Worten  bilde:  „Es  ist
vollbracht““  ·

Ein  stattlicher  Zug  aus  Priestern,  Diakonen  und  Leviten
brachte  die  irdischen  Reste  des  Märtyrers  von  Mainz  nach  seinem
geliebten  Fulda.  In  der  dortigen  Klosterkirche  wurde  der  greise
Erzbischof  in  einem  Sarkophage  beigesegzt.